Marsh on Monday
Geld, Macht, Schicksal

Tony Blair und Sir Christopher Gent sind brillante Köpfe. Seit einiger Zeit befinden sie sich jedoch auf dem Abstellgleis. Der eine als britischer Premierminister, der andere als ehemaliger Vorstandschef des Mobilfunkkonzerns Vodafone und nun auch als ehemaliger Ehrenpräsident auf Lebenszeit. Beide Schicksale haben zu tun mit Hybris, überhöhter Selbstbewertung und exorbitanten Summen.

Den Höhepunkt erklimmen beide Männer 2000/2001. Blair zerschmettert im zweiten Wahltriumph die konservative Partei nieder, kann sich als erfolgreichster Labour-Politiker der Geschichte etablieren. Gent siegt im Übernahmegefecht gegen Mannesmann, setzt sich mit seinem 178 Milliarden Euro schweren Angebot als Europas wertsteigerndster Manager durch.

Seitdem geht es bergab. Blair erleidet aufgrund der fehlleiteten amerikanisch-britischen Eroberungsaktion im Irak eine massive Schwächung seiner politischen wie moralischen Statur. Auf ähnlich unbeholfene Weise schaut Gent hilflos zu, als das nach teuer erkauftem Expansionskurs überdimensionierte Vodafone-Reich infolge Abschreibungen seit 2000 mehr als 150 Milliarden Euro an Wert verliert.

Auch den Premierminister plagen Geldsorgen. Durch die Presse wird enthüllt, dass er persönlich aufgrund verzwickter Haus- und Wohnungskäufe mit Hypothekenkrediten in Höhe von sechs Millionen Euro verschuldet ist. Für einen künftigen Ex-Premierminister, der sich lukrative Memoiren- und Redneraufträge gönnen will, sicherlich keine unerschwingliche Summe, aber für viele Labour-Traditionalisten doch sehr viel Geld.

Den vorläufigen Höhepunkt ihrer Unglücksserie haben Blair und Gent letzte Woche erlebt. Aus Verärgerung über Presseberichte über seine angebliche Rolle bei mutmaßlichen Vorstandsverschwörungen trat Gent von seinem Vodafone-Ehrenamt zurück. Blair steht wackeliger da denn je, nachdem er im Unterhaus nur durch die Hilfe der konservativen Opposition und gegen den Widerstand vieler Labour-Rebellen sein umstrittenes Schulgesetz hat retten können.

Dass führende Persönlichkeiten aus Politik oder Wirtschaft öfter als Idole auf tönernen Füssen enttarnt werden, ist bekannt. Wie man in solchen Schicksalsfällen einen beinahen tragischen Autoritätsverlust verhindert, bleibt aber weiterhin rätselhaft.

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