Marsh on Monday
George Bush sei Dank

In der Vergangenheit hätte eine dramatische Wahlniederlage für die amerikanischen Republikaner einen Kursrutsch an den Finanzmärkten ausgelöst. Angesichts der weit verbreiteten Skepsis, mit der die amerikanische Außenpolitik derzeit in der Welt beäugt wird, hat dieses Mal der Bush-Denkzettel die Finanzwelt allerdings eher beruhigt.

Wir sind jetzt an einen Punkt gelangt, wo Amerika als einzige Supermacht nicht mehr in der Lage ist, den Kurs der Weltpolitik allein zu bestimmen.“ So hat einer der erfahrensten europäischen Staatsmänner, der ehemalige britische Außenminister Douglas Hurd, die internationale Konstellation nach der Wahlniederlage für George Bushs Republikaner gegen die Demokraten zusammengefasst.

In der Vergangenheit hätte eine dramatische Wahlniederlage für die amerikanischen Republikaner einen Kursrutsch an den Finanzmärkten ausgelöst. Angesichts der weit verbreiteten Skepsis, mit der die amerikanische Außenpolitik derzeit in der Welt beäugt wird, hat dieses Mal der Bush-Denkzettel die Finanzwelt allerdings eher beruhigt.

Aus Sicht der Londoner City hat dies drei Gründe: Erstens könnte Washington in den kommenden zwei Jahren unter Führung eines schwachen Präsidenten eine viel gemäßigtere Politik bei Klimawandel und Kohlendioxid-Emissionen betreiben. Das Image des Klimakillers USA könnte korrigiert und die Partner jenseits des Ozeans besänftigt werden. Dazu könnte der Kursschwenk einen technologischen Schub in der Umweltbranche auslösen.

Zweitens wird die Gefahr, dass die politisch-militärischen Konflikte mit den krisengeschüttelten Ländern Iran, Irak oder Nordkorea eskalieren, kleiner. Auch das hat positive Auswirkungen für die Weltbörsen. Und drittens gehen die Märkte davon aus, dass wegen einer teilweisen – durch die Demokraten herbeigeführten – Mäßigung der US-Ausgabenpolitik die Notenbank in Zukunft die Zinsen tendenziell eher senken wird. Allerdings hat sich diese Vermutung noch nicht bestätigt. Finanzprofis im In- und Ausland sehen den kommenden Monaten aber voller Hoffnung entgegen.

Auf gewisse Weise könnte die Endphase von George Bushs Präsidentschaft der des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers, Gerhard Schröder, ähneln. Die SPD-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen im Mai 2005 hat Gerhard Schröder dazu bewogen, vorzeitig Neuwahlen zu erzwingen. Die Aktienkurse in Deutschland zogen daraufhin an. Selbstverständlich sind die politischen Entwicklungen in den USA für die globalen Finanzmärkte wichtiger als die deutsche Politik: Die Bush-Niederlage kann ein weltweiter Kurs-Katalysator sein.

David Marsh ist Berater und Banker in London

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