MARSH ON MONDAY
Gold und Leichen

Nicht alles, was in Großbritannien glänzt, ist Gold. Gewiss kann nicht jede angelsächsische Finanzierungsinitiative sorg- und nahtlos auf Deutschland übertragen werden. Aber die als öffentlich-private Partnerschaften organisierten Kapitalprojekte, die auf der Insel seit den 90er-Jahren kontinuierlich ausgebaut wurden, werden in Deutschland immer salonfähiger.

Projekte im Volumen von 45 Mrd. Euro wurden auf der Insel so bereits finanziert. Geldnot macht eben erfinderisch. Ein intelligentes Mischfinanzierungssystem aus privaten und öffentlichen Quellen für die Bereitstellung und Instandhaltung von öffentlicher Infrastruktur bahnt sich an. Freuen dürfen sich all diejenigen, die geringere Kosten, größere Effizienz und stärkere Transparenz für gemeinnützige Investitionsprojekte erwarten.

Lange Zeit galt Deutschland in Sachen Public Private Partnership im Vergleich nicht nur zu Großbritannien, sondern auch zu Spanien, Frankreich und Italien als rückständig. Konturen einer Tendenzwende zeichnen sich bereits seit einigen Monaten ab. Schon kurz vor der Bundestagswahl waren die gesetzlichen Rahmenbedingungen deutlich verbessert worden. Die große Koalition will besonders für den Verkehrswegebau verstärkt auf privat-öffentliche Partnerschaften zurückgreifen. Überwindung des Sanierungsstaus, schnellere Realisierung sowie Innovationen in der Bautechnik und im Projektmanagement sollen dadurch erreicht werden.

Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Wo lauern also die Tücken? In Großbritannien ging es nicht ohne das Bezahlen von Lehrgeld ab. Davon kann Deutschland lernen. Eine qualitativ erstklassige Selektion der Projekte sowie eine hinreichende Anzahl qualifizierter Dienstleistungs- und Finanzanbieter sind für den Erfolg unabdingbar. Öffentliche Akzeptanz wird sich nur gewinnen lassen, wenn sich bei der Bevölkerung das Gefühl eines verbesserten Kosten-Leistungsverhältnisses breit macht – nicht nur für heute, sondern für den gesamten Lebenszyklus.

Alle Beteiligten müssen einsehen, dass nicht nur die Projektfinanzierung, sondern damit auch das Risiko auf private Konzessionäre transferiert wird. Einige Banken und Projektnutznießer werden sich bereichern, andere Pleite machen. Der Weg zu einem erfolgreichen PPP-System ist nicht nur mit Gold gepflastert, sondern auch mit Leichen.

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