Marsh on Monday
Goldene Zeiten

Wie sollte man den fulminanten Anstieg des Goldpreises erklären? Aus der Sicht der Londoner Finanzmärkte: Gewiss nicht als Zeichen des Vertrauens in die kollektive Weisheit der internationalen Geldhüter.

Die Verteuerung auf einen Kurs zeitweise um 700 Dollar je Feinunze – den höchsten Stand seit 25 Jahren – spiegelt verschiedene Faktoren wider. Dass viele Investoren der anti-inflationären Widerstandskraft der Zentralbanken nicht blind vertrauen, liegt auf der Hand. Für Notenbankgouverneure und Finanzminister stellt oft die Entwicklung rund um das Edelmetall ein wesentliches Problem dar.

Nehmen wir als Beispiel Fritz Leutwiler. Der vor neun Jahren gestorbene ehemalige Präsident der schweizerischen Nationalbank sagte mir 1980, einige Monate nach dem Rückgang des Goldpreises vom 850-Dollar-Rekordstand, jeder Preis über 600 Dollar sei für ihn eine günstige Kaufgelegenheit. Eine Aussage, die nicht gerade treffsicher gewesen ist.

Eher glücklos agierte auch Gordon Brown im Goldmarkt: Der britische Schatzkanzler und Möchtegern-Premierminister trägt die politische und ökonomische Verantwortung für den Verkauf von 395 Tonnen Gold aus britischen Währungsreserven zu einem Durchschnittspreis von 275 Dollar in den Jahren 1999 bis 2002. Pech für ihn und für uns Steuerzahler. Angesichts der seitdem erfolgten Preisbeschleunigung beträgt der rechnerische Wertverlust für den britischen Staat mehr als vier Milliarden Dollar.

Hinter dem Comeback des gelben Metalls stecken nicht nur aufkeimende Befürchtungen vor Dollar-Entwertung und Defizit-Vermehrung. Die Multipolarität der Welt-Kapitalflüsse spielt eine wichtige Rolle. Die Ölpreisverteuerung im Zuge einer allgemeinen Rohstoffhausse treiben in vielen Teilen der Welt die Währungsreserven in die Höhe. Staatliche wie private Anleger in China, Russland und dem Nahen Osten diversifizieren Anlagen und Instrumente.

Instinktiv greift man auf Bewährtes zurück. Dem Gold huldigen die neuen (alten) Großinvestorenländer seit Jahrtausenden als Hort des Werts und des Wohlstands. Der goldene Preissprung geht mit dem Wiederaufstieg Asiens einher.

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