Marsh on Monday
Grenzen der Freizügigkeit

Einwanderung ist das Lebenselixier der Konjunktur. Das Phänomen hat die Bundesrepublik bereits in den 50er- und 60er-Jahren mit dem Zuzug der Gastarbeiter erlebt, das Vereinigte Königsreich macht jetzt die gleiche Erfahrung – mit einem bedeutenden Unterschied:.

In der Wirtschaftswunderzeit war die Einwanderung nach Deutschland auf Arbeitskräfte für die verarbeitende Industrie konzentriert, in Großbritannien zieht vor allem die enorme Nachfrage nach Dienstleistungen Einwanderer magnetisch an.

Wer auf der Insel sein Haus renovieren, seinen Garten pflegen oder seine Kinder betreuen lassen will, kommt kaum umhin, die Dienste (meistens) tüchtiger, lebensfroher Mitteleuropäer in Anspruch zu nehmen. Angetrieben durch die scheinbar unbremsbare britische Wirtschaftsdynamik sind seit der EU-Erweiterung im Mai 2004 nicht weniger als 420 000 neue Arbeitnehmer aus den östlichen Beitrittsstaaten nach Großbritannien gezogen. Die positiven Effekte sind nicht zu verleugnen. Fast die Hälfte des jährlichen Wirtschaftswachstums der letzten Jahre in Höhe von 2,5 bis drei Prozent lässt sich auf Impulse durch die Immigrationswelle zurückführen.

Im Gegensatz zu Deutschland hat Großbritannien bei der Aufnahme der neuen EU-Mitglieder 2004 den östlichen Arbeitssuchenden Freizügigkeit gewährt, teilweise fiel die Entscheidung aufgrund der wachstumsfördernden Aspekte aus Selbstinteresse, teilweise leitete sie ein großes wirtschaftliches und gesellschaftliches Experiment ein, das viele Brite jetzt in Frage stellen.

Laut dem renommierten City-Ökonomen Douglas McWilliams liegt die wahre Zahl der britischen Bevölkerung um 1,4 Millionen höher als die offiziell geschätzte Zahl von 60,1 Millionen. Dies bringt zusätzlichen Druck auf die bereits notleidende städtische Infrastruktur – Wohnungen, Straßen, Eisenbahn, Schulen und Krankenhäuser – und damit auch erhebliche Belastungen für Lebensqualität und Lebenshaltungskosten. Maßgebliche Politiker aus dem rechten wie linken Lager stoßen nun ins gleiche Horn. Dies zeigt Wirkung. Neulich deutete die Labour-Regierung an, dass bei der baldigen EU-Aufnahme von Bulgarien und Rumänien der Einwanderungsspielraum für die neuen EU-Bürger stark eingeschränkt wird.

David Marsh ist Berater und Banker in London

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