Marsh On Monday
Grenzen der Staatsfonds

In den britischen Supermärkten lautet seit Jahren ein verführerischer Slogan "Buy one, get one free": Das Konzept wurde freilich auf Waschpulver oder Wurstsorten zugeschnitten, nicht auf Firmenzukäufe. Die Einzelhandelskette Sainsbury hat sich erfolgreich gegen eine Übernahme aus dem Nahen Osten wehren können - und dem Aktienmarkt einen Schock verpasst.

HB. Im Hinblick auf die renommierte Einzelhandelskette Sainsbury heißt die Devise jetzt nach der Rücknahme des Übernahmeangebotes der Beteiligungsgesellschaft Delta Two entschieden anders: "Don?t buy one, reduce the price 20 per cent": "Kaufen Sie doch nicht eins, setzen Sie den Preis um 20 Prozent herab."

Letzte Woche ist eingetreten, was eintreten musste: Der mit Finanzkraft aus dem Golfstaat Katar reichlich dotierte Investmentfonds Delta Two hat aufgrund turbulenter Marktbedingungen und angestiegener Finanzierungskosten das Handtuch geworfen.

Sicherlich nicht ganz unerwartet. Die Sainsbury-Erben, die Lords David und Tim, die 14 Prozent der Anteile besitzen, haben seit Monaten unterschwellig, aber doch - nach feiner britischer Art - klar ersichtlich gegen eine Übernahme aus dem Nahen Osten opponiert.

Aber gleichzeitig hat der Rückzug dem Aktienmarkt einen herben Schock verpasst. Der Aktienkurs der Einzelhandelskette sackte um ein Fünftel ab. Der einstige Delta-Two-Kaufpreisvorschlag von 600 Pence, der den Konzern mit rund 10,6 Milliarden Pfund (umgerechnet 15,2 Milliarden Euro) bewertete, wirkt wie ein schlechter Witz. Jetzt notiert die Aktie nur noch bei rund 440 Pence, der Börsenwert hat sich auf nur 7,7 Milliarden Pfund reduziert.

Alle Aktionäre werden dadurch bestraft. Aber vor allem muss Delta Two - ein Name, der an eine misslungene Raumschiffmission aus der amerikanischen Filmserie Star Trek (Raumschiff Enterprise) erinnert - tief in die Tasche greifen. Der Fonds hat zu hohen Kursen 25 Prozent an Sainsbury zusammengekauft und sitzt nun auf einem Buchverlust von mehr als 400 Millionen Pfund.

Die Katar-Episode unterstreicht, dass bei Übernahmeangeboten auch Staatsfonds ihre Grenzen haben. Bei Anbahnung weiterer abenteuerlicher Finanztransaktionen dürfte diese Lektion auch in anderen Branchen Schule machen.

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