Marsh On Monday
Im Namen des Geldes

Bankennamen könnten künftig wieder den Hauch des Exotischen tragen: Staatsfonds aus Abu Dhabi, China oder Singapur erwerben wesentliche Beteiligungen an Großbanken. Doch was passiert, wenn die Übernahmen nicht zur Stützung der Aktienkurse, sondern zu einer weiteren Baisse führen? Die überregionale Unverbindlichkeit.
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HB. Wer sind diese mysteriösen Weisen aus dem Morgenland, die unter einem hell leuchtenden Stern kostspielige Geschenke in den Westen mitbringen? Weihrauch und Myrrhe sind passé. Was heute zählt, ist der Erwerb wesentlicher Beteiligungen an Großbanken wie Citicorp, Barclays und UBS. Gerichtet haben es Staatsfonds aus Abu Dhabi, China und Singapur.

Solche Länder werden ihre Zukäufe weiterhin intensivieren. Was passiert, wenn entgegen vieler Hoffnungen die Übernahmen dieser Minderheitspositionen nicht zur Stützung der Aktienkurse, sondern zu einer weiteren Baisse führt? Können die Staatsfonds Mehrheitseigentümer wichtiger westlicher Geschäftsbanken werden? Möglicherweise sollten wir uns auf eine richtig globalisierte Welt vorbereiten.

Die Bankennamen werden wieder einen glänzenden Hauch des Exotischen tragen. Auf die Neuerscheinungen von übermorgen sollten wir uns freuen: Union Bank of Singapore, China Corp, Royal Bank of Russia, Kuwait Guaranty lassen grüßen!

Vor Jahrhundertfrist ging von den Geldinstituten weltläufiger Flair kombiniert mit einem Sinn für Abenteuer hervor. Die 1856 gegründete Ottoman Bank, die London and River (1862), die Deutsch Bank-Asiatische (1889) waren Beispiele. Die Geographie floss in die Namen hinein. Wer Kunde bei der Bank of London and South America (Jahrgang 1923) war, wusste genau, mit wem und wo er es zu tun hatte.

Doch seitdem die Banken nicht mehr von Entdeckern und Eroberern, sondern von Buchhaltern, Juristen und Fondsverwaltern geführt werden, sind solche Namen Raritäten. Schöne alte Namen wie Hong Kong and Shanghai Banking Corporation sind zu sinnlosen Akronymen degradiert. HSBC und HBOS, Fortis und Unicredit vermitteln graue Neutralität, überregionale Unverbindlichkeit.

Doch die flache Namenslandschaft nimmt wieder Konturen an. Die Geopolitik meldet sich kräftig bei der Geldpolitik zurück. HBOS wird - wer weiß? - in House Bank of Saudi umfirmiert. Die Staatsfonds werden uns in eine antike Welt zurückführen, wo die Herkunft des großen Geldes wieder sofort ersichtlich ist.

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