Marsh on Monday
Jenseits der Grenze

Jedes Jahr steigt die Lebenserwartung, erst recht in der betuchten Schicht der Unternehmensführer. Vorstandsvorsitzende treten jedoch in stets jüngerem Alter ab. In den zurückliegenden Jahren konnten auch mittelmäßige Chefs jenseits der Sechzig unbekümmert noch einige Jahre weiter machen, nach der Devise: „Nothing succeeds like failure.“ Heute ist die Welt erbarmungsloser.

Ältere Herren auf den Vorstandsetagen werden nicht mehr ver- sondern entsorgt.

Paradebeispiel dafür ist die britische Galionsfigur Lord John Browne: 58 Jahre jung und seit 1995 an der Spitze des Management Boards des Ölkonzerns BP – Veteran zahlreicher schicksalsbestimmender Fusionen, klein, quirlig, auf beängstigende Weise hochintelligent. Und nach Erreichen der Altersgrenze in zwei Jahren nur noch Pensionär. Browne hätte gerne weiterhin seinen Sessel behalten. Aber nach einer auch an die Öffentlichkeit gelangten Meinungsverschiedenheit mit seinem Chairman Peter Sutherland erklärte Browne vergangene Woche brav seinen Rückzug im Jahr 2008. Solche Fälle erlebt auch Deutschland. Der unbestreitbar erfolgreiche Helmut Panke muss nicht ganz freiwillig als werdender 60-Jähriger sein Amt an der BMW-Spitze einem um zehn Jahre Jüngeren abgeben.

Dem Prinzip, dass Alter und Erfahrungsschatz bei Unternehmen wie in der Gesellschaft hoch respektiert werden sollten, steht ein weiteres Grundgesetz diametral entgegen: Talentierten Aufstrebenden sollte die Chance gegeben werden, Hierarchieebenen rasch zu erklimmen und damit die Welt zu verändern. Aus einer Vielzahl praktischer wie auch ethischer Gründe erhält im heutigen dynamischen Unternehmensumfeld eher der zweite Grundsatz Vorrang.

Auch Senioren – einschließlich derer, die im Gegensatz zu Lord Browne keine Gelegenheit haben, die Bibliothek des britischen Oberhauses häufiger zu frequentieren – genießen enorme Chancen, ihre beruflichen wie geistigen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Eintritt in Private-Equity-Häuser, Dozieren an Management-Hochschulen, Aufbau eigener Beratungs- wie Unternehmungsaktivitäten. Alles liegt für die heutigen Altersgrenzgänger in Reichweite. Wer wirklich gut ist, könnte es sogar bis zum Zeitungskolumnist bringen.

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