Marsh on Monday
Kampf um die Fonds

Tony Blair ist im Nahen Osten, wo er als Berater für die krisengeschüttelte Region umherreist, abgetaucht. Der seit Jahren andauernde Streit zwischen dem ehemaligen britischen Premierminister und Nachfolger Gordon Brown geht jedoch weiter.

LONDON. Festmachen lässt sich der schwelende Konflikt nicht zuletzt an den Meinungsverschiedenheiten über mögliche Schutzmaßnahmen vor ausländischen Staatsfonds. Der britische EU-Kommissar Peter Mandelson zählt als Intimfreund von Blair - und Erzfeind von Brown. Mandelson unterstützt die Empfehlung der deutschen Regierung, europäische Unternehmen vor dem unerwünschten Zugriff durch Kapitalfonds ausländischer Staatsbehörden zu schützen. Dieser Vorschlag, den Brown scharf kritisiert, wurde letzte Woche vom neuen Schatzkanzler Alistair Darling zurückgewiesen. Darling gilt als Browns politischer Verbündeter.

Doch bei diesem Streitpunkt geht es freilich um mehr als Prestige und Personalien. Die Meinungsverschiedenheiten unterstreichen die unterschiedlichen Interessenlagen Großbritanniens im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedern. Schließlich haben wir es mit einem Wettbewerb um Auslandsinvestitionen in die EU zu tun. Die britische Regierung sieht in der Anziehung beachtlicher Investmentsummen aus China, Indien, Russland oder dem Mittelost eine große Chance, das Wirtschaftswachstum zu stützen. Die Deutschen werten solche Eingriffe eher als Risiko für die Stabilität ihrer Volkswirtschaft.

Letzte Woche hat Barclays die Kriegskasse für die beabsichtige Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro durch 13 Mrd. Pfund aus neuen Aktien gefüllt. Zugeteilt wurden die Papiere an die China Development Bank und den singaporischen Staatsfonds Temasek. Aber wer beutet da wen aus? Der Hauptkonkurrent im Bieterkampf um ABN-Amro, die Royal Bank of Scotland, hat vor zwei Jahren eine Milliardensumme an Beijing überwiesen, um einen Minderheitsanteil bei der Bank of China zu erwerben. Jetzt hat sich der Rivale Barclays einen wichtigen Helfer im Bieterstreit um die holländische Bank ins Boot geholt, ohne einen Cent dafür auszugeben. Wenn die Barclays-Strategie aufgeht, sind die Banker klüger als die Politiker, die einen Schutzwall vor ausländischen Geldern fordern.

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