Marsh on Monday
Mangel an Transparenz

Private-Equity-Manager sind schlaue Typen. Ihr Renommee, ihr Vermögen und auch ihr Charme vermehren sich durch das Abwägen zwischen Soll und Haben, Furcht und Wagnis, Risiko und Chance, Kauf- und Verkaufsgelegenheiten.

Man erwirbt ein unterbewertetes Unternehmen - oft von institutionellen Anlegern, die mit der Aktie keine Geduld mehr haben - zu einem günstigen Preis. Man steigert die finanzielle wie unternehmerische Leistung durch erhöhte Verschuldung und Management-Anreize. Nach einigen Jahren wird das Investment wieder verkauft, zu einem hohen Preis natürlich und oft an die gleichen institutionellen Anleger, die inzwischen ihre Kauflust wieder entdeckt haben.

In letzter Zeit bekommen nicht nur Multimillionäre, sondern auch Kleinanleger Appetit auf Private Equity-Anlagen. Zyniker würden behaupten, dass die außerbörslichen Beteiligungsfonds ein böses Spiel mit den Kleinanlegern spielen.

Private-Equity-Fonds genießen einen massiven Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Institutionen, die in börsennotierte Unternehmen investieren: Die Kontrollrechte der Private-Equity-Leute über Verhaltensweise und Gewinn-Performance der Geschäftsführung sind enorm. Wegen des legendären Mangels an Transparenz in diesem Finanzzweig sind sie selbst jedoch kaum der Disziplinierung durch den Aktienmarkt ausgesetzt. Diese Konstellation erklärt den hohen Verschuldungsgrad der von außerbörslichen Beteiligungsfonds gehaltenen Unternehmen.

Doch nun sind die Notenbanker dabei, die Party zu beenden. Der weltweite Zinsanstieg der letzten Monate - besonders in Japan, wo die Zentralbank nach sechs Jahren die Null-Zins-Politik aufgibt - entzieht dem Private-Equity-Markt das billige Geld. Just in diesem Augenblick erhöht sich das Interesse der Retail-Investoren an Private-Equity-Fonds. Einige Investment-Manager bringen ihre Beteiligungen sogar direkt an die Börse.

Alte Hasen der Private-Equity-Branche in London warnen schon seit langem, dass die Branche vor einem zyklischen Wendepunkt steht. Ein zauberhafter Zeitpunkt, wenn gleichzeitig Privatanleger mit hechelnder Zunge einen kräftigen Schluck aus der Private-Equity-Pulle wagen.

David Marsh ist Berater und Banker in London

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