Marsh on Monday
Mobilität und Macht

Die Zusammensetzung des geldpolitischen Rats der Bank of England ist wechselhafter – wohl auch bunter – als bei den Organen der Europäischen Zentralbank oder, in der Vergangenheit, der Bundesbank. Darin ist auch ein weitaus größeres Maß an Mobilität zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand zu sehen.

Dies erklärt sich teilweise durch die kürzeren Mandatszeiten der externen Mitglieder des Monetary Policy Committee (MPC). Das führt dazu, dass das Gremium einen permanenten Erneuerungsprozess durchläuft.

Die britischen Zustände spiegeln auch ein weitaus größeres Maß an Mobilität zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand auf der Insel wider. Es gilt für die britischen Geldhüter und -hüterinnen – auch Damen kommen da vor – der mondäne Slogan: „All human life is there.“ Hier wechselt einer – wie der Starvolkswirt Sushil Wadhwani – aus einer City-Fondsverwaltung zum MPC, kehrt dann, am Ende seiner dreijährigen Amtszeit, in die private Bankenwelt zurück, wo er sich als Hedge-Fonds-Inhaber erfolgreich neu inszeniert.

Da führt ein anderer – der ehemalige Financial-Times-Chefredakteur Richard Lambert – fast drei Jahre lang eine gehobene MPC-Existenz, in der er beeindruckend für einen Kurs des billigeren Geldes plädiert. Im Sommer 2006 übernimmt er den Posten als Generaldirektor des Arbeitgeberverbandes Confederation of British Industry – wo er sich mit noch größerer Vehemenz, aber weniger Durchsetzungskraft weiterhin für Zinsentlastungen für die Unternehmen einsetzt.

(Vor-)letztes Beispiel einer karrierefördernden Sprunghaftigkeit: der Staatsdiener Sir John Gieve. Er konnte auf eine solide 20-jährige Laufbahn beim Finanzministerium zurückblicken, ehe er vor vier Jahren zum Spitzenbeamten des regelmäßig von Krisen geschüttelten Innenministeriums avancierte. Scheinbar als Belohnung für wiederholte administrative Pannen wurde er im Januar 2006 zum stellvertretenden Gouverneur der Bank of England weiter befördert.

Letzte Woche hat Gieve in einem Zeitungsinterview ein unmissverständliches Signal gegeben, dass die Zinsen bald wieder angehoben werden. Hinter seinen Anmerkungen mutmaßt man die eiserne Stimme des Gouverneurs Mervyn King. Andere britische Notenbanker kommen und gehen, King festigt leise, aber stetig seine Machtstellung als Herr des britischen Geldes.

David Marsh ist Berater und Banker in London

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