Marsh on Monday
Retter außer Dienst

Die Briten sollen als Vorbild für das gesamte Europa dienen. Gordon Brown, seit fast vier Monaten Premierminister in London, hat sich diese Botschaft auf die Fahne geschrieben. Doch nach Finanzmarktkrise und schlechten Umfragewerten hat er das Ziel etwas aus den Augen verloren.

Die Briten sollen als Vorbild für das gesamte Europa dienen. Gordon Brown, seit Juni Premierminister in London, hat sich diese Botschaft auf die Fahne geschrieben. Die solide Basis der britischen Volkswirtschaft und die robuste Verfassung der hiesigen Finanzmärkte liefern Brown eine ausgezeichnete Ausgangsbasis, die er dazu nutzen wollte, der europäischen Politik seinen Stempel aufzudrücken.

Bei der Liberalisierung der Energie-, Transport- und Telekommunikationensektoren etwa, bei der Umsetzung der Lissabon-Agenda zum Ausbau des Wachstumspotenzials und bei der Zusammenarbeit im Bereich des Klimawandels wäre das Europa-Engagement des neuen Premierministers ein Pfund, mit dem man wirklich wuchern könnte.

Und jetzt, nach fast vier Monaten - waren etwa alle Hoffnungen vergeblich?

Brown konzentriert sich auf die politische Lage im Inland. Die Finanzmarktkrise um die Hypothekenbank Northern Rock hat ihn und seinen Schatzkanzler Alistair Darling Punkte gekostet. Und dann die Idee von den vorgezogenen Unterhauswahlen. Brown ließ sie fallen, als er merkte, dass seine Umfragewerte zu schwach waren. Eine Demütigung. In der Öffentlichkeit steht Brown mittlerweile als Zögerling da - und nicht als Macher.

Die letzte Woche von Darling vor dem Parlament prognostizierte Wachstumsdelle, das höhere Haushaltsdefizit und das hastig zusammen gezimmerte Steuerpaket kratzen zudem am Labour-Image als wirtschaftspolitisch kompetente Partei.

Noch ist die Londoner Börse guter Dinge. Die Prognose, dass sich Brown in Europa als rettende Kraft profilieren könnte, entpuppt sich allerdings mehr und mehr als Illusion. Für den Zusammenhalt des Kontinents ist das keine gute Nachricht. Die Große Koalition in Berlin verliert zunehmend an Reformkraft je näher die Bundestagswahlen rücken. In Frankreich könnte der Umstrukturierungseifer von Präsident Nicolas Sarkozy erlahmen, falls das Wachstum zurückfällt. Noch scheint die Börsenentwicklung von der politischen Konjunktur abgekoppelt zu sein. Für viele Beobachter in der City werden aber die europäischenWachstumserwartungen für 2008 und 2009 durch die politischen Ermüdungserscheinungen gedämpft.

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