Marsh on Monday Rettung aus der City

Beim Akquirieren von Auslandsinvestitionen tut sich Italien schwer. In der Rangliste der bevorzugten europäischen Zielorte für grenzüberschreitende Investitionsprojekte ist das Land immer weiter nach unten abgerutscht. So gesehen kommt da die Übernahme der Mailänder Börse durch die Londoner Konkurrenz gerade recht.
  • David Marsh (Berater und Banker)

LONDON. In der Beliebtheitsskala innerhalb der Europäischen Union - wo Großbritannien, Frankreich und Deutschland die ersten drei Plätze einnehmen - haben im letzten Jahr Polen Rumänien, Ungarn und die Tschechische Republik mehr Projekte als Italien an Land gezogen. Italien braucht frisches Geld aus dem Ausland, vor allem um kostspielige Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Aber um das seit geraumer Zeit als investitionsfeindlich abgestempelte Land machen internationale Anleger einen Bogen. Das Gerangel um die Privatisierung der nationalen Fluggesellschaft Alitalia liefert hierfür ein trauriges Beispiel.

Um so erfreulicher mag daher für Italien die Nachricht klingen, dass die Mailänder Börse von der London Stock Exchange für stolze 1,6 Milliarden Euro übernommen wird. Die Italiener fürchten sich offenbar nicht vor einem Ausverkauf an die City.

Monatelang haben die beiden rivalisierenden Euro-Raum-Aktienmärkte Euronext und Deutsche Börse mit der Idee jongliert, die Borsa Italiana zu erwerben. Letzten Endes aber hat die von vielen als europauntauglich gesehene Londoner Börse die beiden kontinentalen Prätendenten ausgestochen. Die LSE verfügt nun über eine schlagkräftige internationale Handelsplattform für Anleiheprodukte und Derivate. Nach Italien einbringen dürfen jetzt die Mailänder die Erfolgsstory der LSE, den AIM-Wachstumsmarkt für schnell nach oben strebende kleinere Unternehmen. Davon gibt es besonders in Norditalien eine ganze Menge/p>

Die britische Regierung wertet den Börsenschulterschluss als Zeichen der zunehmenden Anziehungskraft der Londoner City - trotz Nichtmitgliedschaft in der Euro-Zone. Der an vielen Fronten kämpfende italienische Ministerpräsident Roman Prodi unternimmt jetzt lobenswerte Anstrengungen, die unter der Vorgängerregierung von Silvio Berlusconi markant gewordenen Lähmungserscheinungen zu überwinden. Vielleicht markiert der britisch-italienische Deal einen Wendepunkt. Will Italien den Fall in die finanzpolitische Bedeutungslosigkeit abwenden, dann kann sich London als rettender Geist erweisen.

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