Marsh on Monday
Risiken und Renditen

Fahrgäste auf dem aktuellen Fusionskarussell müssen starke Nerven zeigen und auch herbe Rückschläge wegstecken können. Risiken und Renditen in Milliardenhöhe stehen dicht beieinander. Nur die deutschen Banken halten sich abseits vom Übernahmedurcheinander.

LONDON. Als ich 1973 direkt nach dem Chemie-Studium meinen ersten Job bei der ehrwürdigen Nachrichtenagentur Reuters in der Londoner Fleet Street anfing, tickte die Welt doch anders. Man arbeitete nicht mit PCs, sondern mit zimmergroßen Rechnern. Die elektronische Übertragung von Börsenkursen steckte in den Kinderschuhen, die Nachrichten wurden auf der Schreibmaschine zusammengefasst und per Telegraph an die Außenwelt verteilt.

Reuters wurde seither in einen international operierenden, durch Informationstechnologie getriebenen Vermarkter von Finanzdaten umgewandelt, ging selbst an die Börse und wird dieser Tage möglicherweise an den weltweit tätigen Finanzdienstleistungskonzern Thomson Financial verkauft – der vorläufige Höhepunkt einer sich überstürzenden Reihe von Industrie- und Finanzkonsolidierungen quer durch die Weltwirtschaft.

Fahrgäste auf dem Fusionskarussell müssen starke Nerven zeigen, auch herbe Rückschläge wegstecken können. Risiken und Renditen in Milliardenhöhe stehen dicht beieinander. Alcoa geht mit Alcan zusammen – oder wegen der Anhäufung der damit verbundenen Schwierigkeiten wohl doch nicht? Das Gleiche gilt für Rio Tinto und BHP Billiton. Barclays und ABN Amro wollen fusionieren. Aber wenn dies aus juristischen, politischen oder ökonomischen Gründen nicht geht, werden beide Kontrahenten womöglich von anderen Rivalen geschluckt und zerschlagen.

Und was machen bei all diesem Wirbel die deutschen Banken? Vor 15 Jahren wurden sie eines Übermaßes an Macht bezichtigt, jetzt sehen sie im internationalen Vergleich recht klein aus. Die Deutsche Bank etwa spielt in der Fusionschronik der letzten Zeit keine Rolle, strebt offenbar auch keine an. Einst die Nummer eins in Europa, jetzt belegt sie in der Rangliste der Marktkapitalisierung Platz 15 unter den europäischen Banken – und lebt offenbar ganz gut damit.

Schlank, nur mittelgroß, leistungsfähig – die neue deutsche Bescheidenheit. Bei der weltweiten Konsolidierungswelle ist die Deutsche Bank nicht dabei – aber die Bank wird sie wahrscheinlich als selbstständiges Institut doch überleben. Dasselbe kann man von Barclays nicht behaupten.

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