Marsh on Monday
Russische Akzente

Der Londoner Aktienmarkt übt auf kapitalsuchende russische Unternehmen eine magnetische Anziehungskraft aus. Inzwischen fürchten die Londonder Banker, dass russische Konzerne die Reputation der Stadt missbrauchen, um eigene Unzulänglichkeiten zu kaschieren.

Die dunkle Thematik der russischen Corporate Governance erhitzt die Gemüter in der Londoner City. Clara Furse, Chefin der Londoner Börse, verlangt in einem kühlen Brief an Präsidenten Vladimir Putin die Aufhebung eines Einreiseverbotes gegen einen prominenten britisch-amerikanischen Fondsverwalter. Fondsgesellschaften wie F&C und auch der alternde, noch mächtige Herr des Gelds, George Soros, machen aus ihrem Unmut über mangelnde Sittlichkeit und dubiöse Geschäftsmethoden in Teilen des neurussischen Kapitalismus keinen Hehl. Ins Kreuzfeuer der Kritik gerät insbesondere der geplante Londoner Börsengang der staatlichen Ölfirma Rosneft. Soros behauptet, Rosneft sei ein Instrument des Staates, das die politischen Ziele Russlands stets vor die Interessen der Aktionäre stelle. Forsch fragt er: „Ist Rosneft bereit, diese Tatsache in den Börsenprospekt zu schreiben?“ Die Antwort kam prompt: Das Rosneft-Emissionsvolumen wird von 15 bis 20 Mrd. auf zehn Milliarden Dollar stark herabgesetzt.

Der Londoner Aktienmarkt übt auf kapitalsuchende russische Unternehmen eine magnetische Anziehungskraft aus. Allein im Jahre 2005 haben russische Firmen durch Erstnotierungen in London fünf Mrd. Dollar aufgenommen. Die Kapitalflut wurde durch weniger stringente Emissionsstandards im Vergleich zu den USA vorangetrieben. Jetzt aber – besonders im undurchsichtigen russischen Energiesektor – fürchten Londoner Banker, dass russische Konzerne die Reputation der City missbrauchen, um deren eigenen Unzulänglichkeiten zu verbergen.

Sollte Deutschland nicht mehr tun, um russische Firmen nach Frankfurt zu holen? Der bilaterale Handelsaustausch zwischen Russland und Deutschland beträgt fast das Vierfache des Handelvolumens mit Großbritannien. Besonders im Energiesegment nehmen die Beziehungen stetig an Bedeutung zu. Unternehmen mit Ostcharakter – wie etwa die vergangenen Woche notierte österreichisch-russische Ölfeld-Servicefirma Catoil – bleiben an der Frankfurter Börse jedoch die Ausnahme. Gewiss will die Mainmetropole keinen Ruf als Handelsplatz für Exoten erwerben. Sollte allerdings die russische Liebesaffäre in „Londongrad“ weiterhin abkühlen, werden auf Frankfurter Trottoiren russische Akzente öfter zu verspüren sein.

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