Marsh on Monday
Russischer Goldkauf

Seit dem Untergang der Sowjetunion kann Russland seine Goldpolitik in aller Öffentlichkeit vollziehen: Genau deshalb scheint der russische Stahlhersteller Severstal ein 25 Millionen Pfund schweres Aktienpaket vom in Irland beheimateten Goldhersteller Celtic Resources Holdings zu kaufen.

HB Der britische Ökonom John Maynard Keynes mag zwar vor längerer Zeit Gold als "barbarisches Relikt" abgestempelt haben. Für die Russen aber ist das Edelmetall immer noch zeitgemäß. Während des Kalten Krieges hat die Sowjetunion zum Zwecke der Wirtschaftssteuerung ihre Goldförderung der Lage der Weltkonjunktur und der internationalen Währungssituation klug angepasst, teilweise heimlich, in Abstimmung mit Südafrika. Seit dem Untergang der sowjetischen Planwirtschaft braucht Russland seine Goldstrategie nicht mehr in aller Stille durchzusetzen. Das Land kann sich der offenen westlichen Finanzmärkte bedienen, um industrielle Ziele zu verfolgen.

Die Celtic-Gruppe verfügt über bedeutende Goldvorkommen vor allem in Kasachstan. Außerdem betreibt sie Molybdenum- und Kupferminen in verschiedenen Regionen der ehemaligen Sowjetunion. Wie zahlreiche weitere russische Ressourcenunternehmen ist Celtic am Wachstumssegment der Londoner Börse, dem so genannten Alternative Investment Market (AIM) notiert. Severstal, auch in London gelistet, hält intensiv Ausschau nach möglichen Investments in Europa und den USA. Der Konzern will seine Wertschöpfungskette in der Stahlindustrie intensivieren, auch um sich als wettbewerbsfähiger Lieferant für die internationale Autoindustrie zu etablieren.

Für Celtic erfolgt die Übernahme eines 22-prozentigen Sockelbetrags zu einem günstigen Zeitpunkt, denn die Gruppe braucht russische Partner, um ihre östliche Rohstoffaktivitäten auszubauen. Die Aktion des Severstal-Mehrheitsaktionärs, dem Milliardär Alexei Mordaschov, kann Schule machen. Weitere gelistete Rohstoffunternehmen mit starken Aktivitäten in der ehemaligen Sowjetunion, wie etwa Peter Hambro Mining und Highland Gold, könnten Kaufziele für russische Firmen werden. Wie auch der alte Keynes wusste: derjenige, der die Spielregeln des Kapitalismus gewinnbringend verwenden will, muss in höchstem Maße flexibel sein. Und genau das sind die Russen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%