Marsh On Monday
Strenge Sitten bei der Bank of England

Die Liquiditätshilfe für die Hypothekenbank Northern Rock sei eine einmalige Hilfsaktion gewesen, versichern der Gouverneur der Bank Of England, Mervyn King, und Alistair Darling, britischer Schatzkanzler. Tatsächlich sind beide eher für ihren sparsamen Umgang mit Notenbankgeld bekannt und verweisen stolz auf das aktuelle britische Wirtschaftswachstum.

HB. König & Liebling: die Kombination klingt nach alteingesessener Anwaltsfirma, die sich auf die Betreuung von Witwen und Waisen spezialisiert hat. Die Personen King und Darling sind tatsächlich Verfechter aus der Mode gekommener Geschäftspraktiken, harmlos sind sie allerdings nicht. Seit dem Ausbruch der Kreditkrise sind Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England, und Alistair Darling, der britische Schatzkanzler, wohl das am meisten gefürchtete Paar der Londoner City.

Die amerikanische Federal Reserve und die Europäische Zentralbank mögen sich mit üppigen Liquiditätshilfen für in Not geratene Banken als Felsen in der Brandung verhalten. King dagegen geht äußerst sparsam mit Notenbankgeld um. Ihm zufolge geht es die Bank of England nichts an, wenn Banken sich mit unüberlegten Krediten an Problemkunden übernehmen. In einem am letzten Mittwoch veröffentlichten Brief an den parlamentarischen Finanzausschuss behauptete er, durch solche Sondermaßnahmen würden umsichtige Banken sanktioniert, unvorsichtige geschützt.

Der kalvinistisch wirkende Darling stößt ins gleiche Horn. Er wirft den Banken mit ihrer aggressiven Kreditwerbung über Fernsehen oder Internet unkontrolliertes Verhalten vor, reklamiert eine Rückkehr zu den "alten Tugenden" des traditionellen Bankgeschäftes.

Die strengen Sitten scheinen durch die Konjunktur gerechtfertigt. Stolz weist die Regierung auf die neuesten Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hin. Das britische Wachstum kann sich 2007 sogar auf 3,1 Prozent beschleunigen. Notaktionen? Bestimmt nur für die anderen!

Der monetären Rosskur werden aber auch auf der Insel Grenzen gesetzt. Es wird selbstverständlich zugesichert, dass die Liquiditätshilfe, die von der Bank of England am Donnerstag für die notleidende Hypothekenbank Northern Rock schnell zusammengetrommelt wurde, eine Einmaloperation sei.

König & Liebling bleiben der Auffassung treu, dass strenge Kontrollregeln - auch wenn sie kurzfristig bei den Finanzinstituten zu tiefen Einschnitten führen - langfristig der beste Garant für Wohl und Wachstum der City sind. Furchterregend sind die beiden allemal - aber möglicherweise haben sie recht.

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