Marsh on Monday: Supermarkt für Investoren

Marsh on Monday
Supermarkt für Investoren

Schmackhaft und saftig sind nicht nur die Gerichte, die Starkoch Jamie Oliver auftischt, sondern auch die Gewinne, die er der britischen Supermarktkette Sainsbury beschert hat. Was mit den Summen angestellt werden soll, ist aber noch nicht ganz klar.

Viele Köche verderben den Brei, kreieren in der Küche keine Köstlichkeiten, sondern sorgen für Krach. Sainsbury, die traditionsreiche britische Supermarktkette, verdankt ihre guten Ergebnisse der letzten Jahre vor allem einem burschikosen TV-Koch: In eingängigen Anzeigekampagnen kocht Jamie Oliver die vornehmlich weiblichen Einkäuferherzen der Nation weich und die Aktien des Einzelhändlers hoch. Jetzt aber drängen noch quirligere Kerle bei Sainsbury in die Küche: Vorreiter einer neuen Gourmetgeneration – Chefköche, die ein finanzielles Soufflé auftragen, das sich Private Equity nennt. Jetzt sprudeln nicht deftige Soßen, sondern saftige Summen.

Bei dieser neuen Speisevariante sind die Rezepte zwar radikal, aber von rechnerischer Einfachheit: Sainsbury verfügt über ein Filialnetz mit einem geschätzten Wert von 7,5 Milliarden Pfund. Wegen der kräftigen Steigerung der Immobilienpreise spiegelt die Börsenkapitalisierung nur unzureichend den echten Unternehmenswert wider. Ein unruhiges Investorensammelsurium überlegt sich nun, den Konzern zu kaufen, die Immobilien an Fonds zu veräußern, die Einzelhandelszentren anschließend zurückzumieten und die schnell aufgetischten Gewinne mit nach Hause zu nehmen.

Solche Sale-and-lease-back-Verfahren stellen einen legitimen Weg dar, um bei Unternehmen Liquidität freizusetzen und Bilanzen aufzupeppen. Freilich sollten die dadurch entstandenen Vergünstigungen den Aktionären zugute kommen. Aber wenn durch Immobilientransaktionen fette Gewinne winken, warum kann das Sainsbury-Management nicht schon jetzt solche Finanzoperationen tätigen, anstatt auf fremdes Eingreifen zu warten?

Ähnlich wie bei Fünf-Sterne-Restaurants, wo die Rezepte des Starkochs wie Kriegsgeheimnisse gehütet werden, ist Diskretion in der Private-Equity-Welt ein hohes Gut. Die erzwungene Enthüllung des Übernahmeplans durch den Börsenregulator unterminiert die Wirtschaftlichkeit des Deals. Gerüchte über rivalisierende Finanzinvestoren treiben den Aktienkurs in eine für ein Übernahmeangebot kaum mehr vertretbare Höhe. Die Gegenreaktion der Finanzakteure ist noch nicht bekannt. Aber wer die Hitze nicht aushält, sollte die Küche verlassen.

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