Marsh on Monday
Unhappy Birthday

Wer behauptet, dass der berüchtigte Euro-Skeptiker Gordon Brown den anderen Europäern nicht zuhört? Vor einer Dekade tat er es, als er die Bank of England in die Unabhängigkeit entließ. Jetzt steigt die Inflation, und Zinserhöhungen stehen ins Haus. Brown hat damit nichts mehr zu tun.

DÜSSELDORF. Vor fast zehn Jahren, am 6. Mai 1997, hatte der frisch inthronisierte britische Schatzkanzler – nur vier Tage nach dem lawinenartigen Labour-Wahlsieg von Tony Blair – die Bank of England überraschend in die Unabhängigkeit entlassen. Nicht nur der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte in den Monaten zuvor seinem Freund Brown die Vorteile unabhängiger Zentralbanker ins Stammbuch geschrieben. Was eigentlich noch imponierender war: Auch Theo Waigel, damaliger deutscher Finanzminister, hatte Brown, der als Oppositionspolitiker während eines Kurzabstechers nach Bonn kam, erklärt, wie die Arbeitsteilung zwischen Bundesbank und Bundesregierung manchmal dem Finanzministerium entgegenkommt. Sollten harte Maßnahmen gegen die Inflation notwendig sein, so Waigel, sei es mitunter opportun, wenn unbeliebte Zinserhöhungen nicht vom Finanzminister, sondern von der unabhängigen Zentralbank veranlasst würden.

Brown beschäftigen zurzeit zwar eher die Vorbereitungen auf seinen bevorstehenden Wechsel ins Amt des Premierministers. Aber die Waigelschen Worte mögen ihm jetzt wieder in den Ohren klingeln. Denn rechtzeitig, um die Jubiläumsstimmung gänzlich zu verderben, meldet das Statistische Amt eine Inflationsrate von 3,1 Prozent. Die unerwartet starke Preis-Hausse bringt den Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, unter Zugzwang. Laut den vor einem Jahrzehnt eingeführten Spielregeln soll die Notenbank eine Inflationsrate von nur zwei Prozent anvisieren. Bei einer Abweichung von einem Prozentpunkt muss sie der Regierung öffentlich Bericht erstatten. Auf Grund der erstaunlichen Stabilität der Inflationsrate in Großbritannien gab es in den letzten zehn Jahren ein solches Schreiben bislang nicht.

In seinem Rechtfertigungsbrief kündigte der oberste britische Währungshüter nun lapidar neue Zinsschritte an, um die Preissteigerungen in den Griff zu bekommen. Der Leitsatz wird bereits im Mai auf 5,5 Prozent angehoben, weitere Anhebungen gelten als wahrscheinlich. Keine große Party zur Zehnjahresfeier. Nicht einmal Gordon Brown wird eingeladen, denn er hat bekanntlich mit Zinserhöhungen nichts zu tun.

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