Marsh On Monday
Verschobene Gewichte

Politiker haben die Instrumente zur Kontrolle der internationalen Währungspolitik aus der Hand gegeben: Zwar werden auf Gipfeltreffen die milliardenschweren Investmentfonds aus China, Singapur, Russland und anderen heranwachsenden Ökonomien besprochen - doch außer der Forderung nach besserer Transparenz kann der Westen kaum Maßnahmen ergreifen.

HB. Das waren doch Zeiten! In den ersten Monaten nach der Ölpreisexplosion im Jahr 1973 waren die westlichen Länder die dominierenden Akteure im Spiel der Weltfinanz. Durch die Rohstoffverteuerung hatten die ölfördernden Länder plötzlich große Leistungsbilanzüberschüsse und Devisenreserven angehäuft. Diese standen wachsenden Defiziten in den Industrienationen gegenüber.

Helmut Schmidt, der erste (und vorläufig letzte) Bundeskanzler, der sich für die internationale Währungspolitik wirklich interessierte, war in seinem Element. Da konnte er mit seinen Homologen aus Amerika, Großbritannien und Frankreich überzeugend über die Linderung der Zahlungsbilanzprobleme reden. Sicherheitsnetze für die Industrieländer, Finanzinstrumente zum Recycling von Petrodollars, bessere Aufsicht für die Staatsfonds aus Kuwait, die Aktienbeteiligungen bei Hoechst und Daimler-Benz erwarben - all dies waren die staatsmännischen Themen des Alltags.

Solcher Aktionismus würde heute als deplaziert gelten. In der politischen Unmacht des Westens spiegelt sich eine einmalige Gewichtsverschiebung wider. Im Jahr 1974 stand die Bundesrepublik in der Rangliste der weltweiten Halter von Währungsreserven mit der stolzen Summe von 25 Mrd. Dollar - 16 Prozent der Weltdevisenreserven - unangefochten an der Spitze. 2007 macht Deutschland - trotz aller Exporterfolge - aufgrund des gewaltigen Anstiegs der Währungsreserven bei den einstigen Entwicklungsländern nur noch 0,7 Prozent der internationalen Reserven aus. Mit seinen Devisenreserven in Höhe von 1 300 bis 1 400 Mrd. Dollar stellt China alle anderen in den Schatten. Nun gibt es kein adäquates wirtschaftspolitisches Forum, um China in die internationale Debatte zur verbesserten Aufsicht der Devisenreserven einzubeziehen. Eins ist sicher: wäre er 30 Jahre junger, würde ein Helmut Schmidt als Kanzler dies schon richten.

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