Marsh on Monday
Welt der Billigwaren

Gemäß dem Motto: "Pile ?em high, sell ?em cheap" ("füll die Regale bis an die Decke, setz die Waren billig ab") will Tesco-Chef Terence Leahy das bedeutendste Retailunternehmen Großbritanniens in die großen - aber auch gefährlichen - USA führen.
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Jack Cohen, einstiger Straßenhändler aus dem heruntergekommenen Ostteil Londons, ging als Gründer des britischen Einzelhandelsgiganten Tesco in die Geschichtsbücher ein. Vor Jahren hatte er den legendären Spruch propagiert: "Pile ?em high, sell ?em cheap" ("füll die Regale bis an die Decke, setz die Waren billig ab").

Der alte Jack müsste jetzt stolz auf den jungen Terry sein. Denn Terence Leahy, der heutige Tesco-Chef, will genau dieses Erfolgsrezept kopieren. Die alte neue Geschäftspolitik soll einen Befreiungsschlag einleiten, der das bedeutendste Retailunternehmen Großbritanniens in die großen - aber auch gefährlichen - USA führen soll.

Tesco will in den heiß umkämpften amerikanischen Discountermarkt eindringen und sich dort langfristig breitmachen. Viele Möchtegerneroberer haben in der Vergangenheit dort Millionen in den Sand gesetzt. Mit der groß angelegten Angriffsaktion zeigt Tesco seine Widerstandsfähigkeit gegenüber der schlechten Stimmung bei den Verbrauchern und auf den Finanzmärkten. Von der Einführung des "Lidl-Modells" in die USA wird gesprochen. Dies spiegelt den Erfolg der deutschen Billigkette auf dem englischen Markt wider. Eine bessere Reklame kann sich kein deutscher Konzern wünschen, als dass sein Erfolgsrezept von einem hochprofitablen britischen Unternehmen in den USA imitiert wird.

Aber wird der Plan funktionieren? Tescos Konzept gilt als maßgeschneidert für die rauer gewordene amerikanische Volkswirtschaft. Die Preise von Rivalen wie Trader Joe?s sollen um 10 bis 25 Prozent unterboten werden. Keine Markenzeichen werden ausgestellt, sondern nur Tesco-eigene Waren, in riesigen Nahrungsmittelfabriken produziert. Die Kosten werden durch Übertragung der Buchhaltungsfunktionen nach Indien sowie durch massiven Einsatz von automatisierten Selbstbedienungskassen gedrückt.

Tesco-Aktionäre reagierten letzte Woche verhalten auf die US-Pläne. Doch Leahy zeigt Zuversicht. Die Billigkampagne kann als wirkungsvolle Risikobegrenzungsmaßnahme gegen eine weitere Verschärfung der Kreditkrise funktionieren. In der Welt der Einzelhändler ist Tesco möglicherweise besser als die anderen für die Nach-Subprime-Ära gerüstet.

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