Marsh on Mondy: Die Macht der Schmetterlinge

Marsh on Mondy
Die Macht der Schmetterlinge

Schmetterlinge, die ihre Flügel in Hongkong schlagen und Tornados in Texas auslösen, werden für manches Unheil verantwortlich gemacht – zumindest in der Chaosforschung und nach dem Motto: kleine Ursache, große Wirkung.

An diesen Grundsatz anlehnend führte etwa der damalige US-Finanzminister James Baker den Wall-Street-Crash im Oktober 1987 auf eine 0,1-prozentige Erhöhung der Bundesbank-Zinssätze für Wertpapierpensionsgeschäfte zurück.

In der Zwischenzeit ist die Welt noch verwobener geworden. Ein Kurssturz an der Shanghaier Börse hat letzte Woche einen Erdrutsch an den internationalen Aktienmärkten verursacht. Dabei sollte man die katalytische Rolle Chinas nicht überbetonen. Wenn die Welt durch riesige Leistungsbilanzungleichgewichte gekennzeichnet wird, sind sporadische Turbulenzen unausweichlich. Manchmal verhelfen sie auch zu Korrekturen.

Der zufrieden stellenden Steigerung des Welthandels steht eine alarmierende Zunahme der finanziellen Ungleichgewichte gegenüber. Gerade die Zuspitzung zwischen den wirtschaftlich potentesten Machtzentren – den Überschussländern Japan, China und Deutschland und dem Hauptdefizitland USA – deutet auf eine tief greifende innere Instabilität hin, die durch kolossale Finanzströme überdeckt wird.

Der chinesische Leistungsbilanzüberschuss beträgt neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der viel beschworene Übergang des Yuan zu einer angeblich gelockerten Wechselkursbindung hat daran nichts geändert. Eine ähnliche Lage, wenn auch anders beeinflusst, existiert in Japan. Wegen niedriger Zinsen ist der Yen viel zu schwach. Der japanische Leistungsbilanzüberschuss beläuft sich laut OECD auf 4,5 Prozent des BIP.

In einer gerechteren Welt würde das Defizit der USA (6,5 Prozent des BIP) vor allem durch eine Aufwertung der beiden asiatischen Währungen ausgeglichen. Stattdessen trägt Europa durch die Aufwertung des Euros die Hauptlast der Anpassung. Dabei sind die Wettbewerbslagen der Euro-Länder höchst unterschiedlich. Deutschland weist einen hohen Überschuss (2007: 4,8 Prozent des BIP) auf, die meisten anderen Länder wesentliche Defizite. Die Widrigkeiten der weltweiten Verteilung der Ersparnisse und der Finanzierungsströme werden irgendwann durch die Märkte schon geregelt. Gegen unterschiedliche, teilweise abrupte Kursentwicklungen sollten wir uns wappnen!

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