Martkforscher erwarten rasantes Wachstum
Handy mutiert zum Gameboy

Die Mobilfunkbranche hofft auf die WM. Spiele und Quizaktionen für das Handy sollen das Geschäft ordentlich ankurbeln.
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DÜSSELDORF. Wie abwesend starrt Jan Paasche in der S-Bahn vor sich. Minutenlang rasen die Finger des Düsseldorfer Medizinstudenten über die Tasten seines Handys. Dann lehnt er sich zurück und grinst:"4:1 gewonnen". Was den 24-Jährigen auf dem Weg zur Uni so fesselt, sind keine SMS-Nachrichten. Der Student verbringt "die Zeit in der Bahn lieber mit Handyspielen".

Etwa mit "Football Fans", einer Fußballsimulation, die Vodafone seinen Kunden kurz vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft offeriert. Die sei "mit grob gerasterten Bildchen auf dem kleinen Display zwar nicht gerade ansehnlich - aber sehr unterhaltsam", sagt Paasche, der sich das Spiel aus dem Telefonnetz aufs Handy geladen hat. Einmalig 2,49 Euro rechnet Vodafone via Telefonrechnung ab, dann kann Paasche die virtuellen Kicker zu Teams zusammenstellen und sie gegen den Gegner im Handy-computer anrennen lassen so oft er will.

Mit dem Faible für Handyspiele gehört der Student zu einer der zurzeit von den Mobilfunkern am intensivsten umworbenen Zielgruppen. Denn die Netzbetreiber brauchen dringend zusätzliche Umsatzquellen. Die neue Computerspielegeneration, die sich für bis zu 2,50 Euro je Spiel aufs Mobilfon laden lässt, ist ein Hoffnungsträger der Branche. Außerdem animieren alle Anbieter ihre Kunden zu gebührenpflichtigen Frage- und Anwortspielen.


Bereits 100 Spiele entwickelt

Das Handy mutiert zum Gameboy. Rund 100 Handyspiele haben sich die Programmierer bereits ausgedacht: Neben der Fußballsimulation auch Ballereien imStil des PC-Hits "Moorhuhn", Formel-1-Rennen oder Weltraumschlachten gegen Winz-Ufos. Der Bremsklotz bisher: Die Handyhersteller nutzen bisher keine einheitliche Technik. Zwar vereinbarten Ericsson, Motorola, Nokia und Siemens 2001, Standards für Handyspiele zu erarbeiten. Bisher ohne greifbare Egebnisse.

Sollten sich die Anbieter einigen, versprechen die Marktforscher rasantes Wachstum: "Ende 2005 werden in Europa rund 80 Millionen Menschen am Handy spielen", sagt der für den europäischen Mobilfunkmarkt zuständige Analyst Lars Vestergaard vom Marktforschungshaus IDC. Die Marktforscher der Gartner Group gehen davon aus, dass Ende 2003 bereits vier von fünf der dann verkauften Mobiltelefone Handyspiele wiedergeben können.

Das Potenzial wollen nicht alleine die Netzbetreiber nutzen. Im Mai kauften sich Bertelsmann und AOL Time Warner sowie der Elektronikkonzern Motorola für geschätzt acht Millionen Euro beim finnischen Anbieter Codetoys ein, obwohl der im vergangenen Jahr nur rund fünf Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Das Unternehmen betreibt für rund 50 Netzbetreiber in mehr als 30 Ländern Handyspiele. "Damit sind wir Weltmarktführer", sagt Esa Luomanpera, Direktor für strategische Geschäftsentwicklung. Ein Grund für den Erfolg ist die Mobilfunkversion des TV-Erfolgs "Wer wird Millionär". Knapp 50 Millionen Mal riefen Mobilfunkkunden 2001 Codetoys-Spiele ab und antworteten per SMS. Die Gebühr von hier zu Lande durchschnittlich rund 19 Cent je Nachricht teilen sich Spieleproduzent und Netzbetreiber.

Noch aber ist diese Resonanz eine Ausnahme, und die Realität von den Prognosen weit entfernt. Während Handygames in Japans U- und Schnellbahnen längst der Renner sind, nutzen europaweit bisher höchstens eine Million Mobilfunker ihr Telefon als kommunikatives Tamagochi.

Hoffen auf die Fußball-WM

Jetzt hofft die Branche auf die Fußball-WM. Beim Mobilfunkneuling Quam sollen Fragen rund um die deutsche Elf in "Rudis Raterunde" für Umsatz sorgen. Preis pro Nachricht: neun Cent. Mit einem ähnlichen Spiel geht T-Mobile zum Eröffnungsspiel am 31. Mai an den Start. Den Teilnehmern winken WM-Bälle und Trikots der Nationalspieler; und der Telekom-Tochter ein lukratives Geschäft. Denn "obwohl die Mobilfunker mit Datendiensten wie SMS-Handyspielen nur 13 Prozent der Umsätze machen, liefern diese Angebote knapp ein Drittel der Gewinne", sagt Matthew Nordan, vom Marktforscher Forrester Research.

Besonders heftig soll die Kasse bei E-Plus klingeln. Denn die Nummer drei im deutschen Mobilfunkmarkt bietet ihrer Klientel im Rahmen des i-mode-Portals den Kickersimulator "iFussball" im Onlinemodus. Das leppert sich, denn zum einen muss sich der Fußballfan den Zugang zum virtuellen Rasenplatz für zwei Euro im Monatsabo erkaufen. Zudem fallen während des Duells gegen den Computer oder andere Handyspieler weitere Kosten für die übertragenen Daten an. Dafür bietet iFussball dank des Handyfarbbildschirms, die mit Abstand beste Optik der Mobilfunkkicker.

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