Masayoshi Son ist Gründer und Chef von Softbank
Schlechte Zeiten für „Mister Japan.com“

Die japanische Internet-Welt lag lange Zeit in seiner Hand. Nun häufen sich die Probleme: Son muss sich von seinen großen Visionen vorerst verabschieden.

TOKIO. Er war mit keinem geringeren Ziel angetreten, als die japanische Wirtschaft in ihren Grundfesten zu verändern. Jetzt muss er sich um die Mauern seines eigenen Unternehmens sorgen: Masayoshi Son, einst der Star der japanischen New Economy, kämpft an allen Fronten seines Internet-Imperiums - Stück für Stück fällt es in sich zusammen.

So musste Sons Web-Holding Softbank 30 Mill. Yahoo-Aktien verkaufen, womit sein Anteil an dem US-Unternehmen von 14 auf neun Prozent sank. Anteile an der Telekom-Firma UT Starcom versilberte das Unternehmen gleich mit. Das Urteil der Anleger und Analysten: ein Verzweiflungsakt. Softbank müsse mit den knapp 20 Mrd. Yen (rund 166 Mill. Euro) Schulden abtragen. Die Aktie sank um mehr als sieben Prozent auf 1 206 Yen.

"Mr. Japan.com" - wie ihn viele seiner Bewunderer nannten - hat sich tüchtig verzettelt. War er vor wenigen Jahren die japanische Personifizierung der schönen, neuen Internet-Welt, zieht der stets korrekt gekleidete Selfmademan mit den jugendlichen Pausbacken heute kaum noch jemanden in seinen Bann. Kritik prallt dennoch an ihm ab. "Sie sollten die langfristige Vision nicht nur anhand eines sich ändernden Klimas bewerten", hält er Kritikern entgegen. In spätestens 20 Jahren würden die Zweifler schon verstehen, was er wolle.

Doch 20 Jahre sind eine lange Zeit. Da muss der passionierte Golf-Spieler und Karaoke-Sänger schauen, dass er Softbank, dessen Präsident und Mehrheitseigner er mit einem Anteil von gut 35 Prozent ist, erst einmal erfolgreich über die nächsten Jahre rettet. Nicholas Spratt von Lehman Brothers rechnet vor: Ohne die Yahoo-Beteiligungen würden die Schulden in seinem Unternehmen deutlich die Aktiva übersteigen. Noch ist die Web-Holding Softbank an 400 Internet-Firmen beteiligt.

Doch der Traum des Cyber-Moguls, der von der Presse hochgejubelt wurde, ist vorerst geplatzt. Dabei hatten ihn die Medien geliebt: Erfüllte er doch wie kaum ein anderer das Schema "vom Tellerwäscher zum Millionär". Son wuchs als Sohn koreanischer Eltern auf, die in Japan eine Pachinko-Flipper-Halle betrieben - ein anrüchiges Gewerbe. Er war ein Underdog, der sich seine Anerkennung hart verdienen musste.

Mit "koreanischer Sturheit" wie seine Kritiker behaupten, schlug er sich durchs Leben und behauptete schon als Jugendlicher: "Ich will Japans führender Unternehmer werden." Einige Jahre später überredet er seine Eltern, ihn zum Studium nach Kalifornien zu schicken. Beeindruckt vom amerikanischen Unternehmergeist kehrt er schließlich nach Japan zurück, wo er als erstes seinen ungeliebten japanischen Nachnamen - Yasumoto - wieder in einen koreanischen umwandelt.

Frisch von der Uni Berkeley gründet Son vor gut 20 Jahren sein Unternehmen. Das Startkapital - immerhin eine Million Dollar - hat er als junger Student mit einem selbst geschriebenen Übersetzungsprogramm verdient, das er zu einem lukrativen Preis an Sharp verkauft. Mit seinem Unternehmen Softbank vertreibt er zunächst US-Software und Computerzeitschriften. Dann spült der Börsengang 1994 der Softbank Corp. genug Geld in die Kasse, um sich auf Internet-Beteiligungen zu spezialisieren. Son lernt Yahoo-Gründer Tim Koogle kennen und steigt in dessen Internet-Portal ein - der Wert seines Yahoo - Anteils explodiert. Bald gehen 85 Prozent aller Internet-Nutzer über eine Softbank-Beteiligung ins Web. Die japanische Internet-Welt liegt in der Hand eines Mannes: Masayoshi Son.

Vielleicht ist es kein Wunder, dass der junge Unternehmer abhebt, großspurige Ziele verkündet, für junge Unternehmen ein anderes Japan schaffen will und sich mit den alteingesessenen Firmen anlegt. Doch mit dem Platzen der Internet-Blase erlebt er Ähnliches wie seine Kollegen in den USA oder Europa. Und es plagen ihn weitere Probleme. Mit dem US-Börsenbetreiber Nasdaq hat er die Nasdaq Japan gegründet, die 2000 startete - bisher ein riesiges Verlustgeschäft. Zudem kann Son die 48 Prozent an der japanischen Aozora-Bank nicht so leicht abstoßen wie er will. Die japanische Regierung macht Ärger. Vor der Übernahme sollen ihn damals mehrere Berater gewarnt haben. Son, ein Bauchmensch, stieg dennoch ein. Kürzlich sagte Son, er wolle jetzt "eher ein Geschäftsmann als ein Investor werden". Wie er den Übergang schaffen will, dazu äußert er sich allerdings nicht.

Telekommunikation habe ihn schon immer gereizt, meint Son. Doch die Abonnentenzahl seines ASDL-Anbieters Yahoo BB wächst langsamer als erwartet. Und weil die Leitungen des neuesten Dienstes die der Konkurrenz beeinträchtigen, droht neuer Ärger. Für den Internet-Star, dem harte Rationalisierungen weitaus schwerer fallen sollen als große Visionen, stehen noch einige Überstunden an.

Quelle: Handelsblatt

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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