Maschinen- und Anlagenbauer IWKA will trotz Branchenflaute den Umsatz in diesem Jahr stabil halten
Europas Autokonzerne stützen Anlagenbauer

Deutsche Hersteller von Produktionsanlagen für die Autoindustrie bleiben optimistisch: Sie glauben nicht, dass Europas Autoindustrie der US-Konkurrenz folgt und die Investitionen kappt.

ajo STUTTGART. Die schlechten Verkaufszahlen der europäischen Autohersteller trüben die Laune von Hans Fahr, Chef des Karlsruher Maschinen- und Anlagenbaukonzerns IWKA AG, bisher nicht. Fahr ist zuversichtlich, dass die IWKA in diesem Jahr den Vorjahresumsatz von 2,3 Mrd. Euro halten und das Betriebsergebnis weiter verbessern kann. 2001 legte der Umsatz noch leicht zu, und das 1999 verordnete Fitnessprogramm zahlte sich aus: Das operative Ergebnis stieg um 36 % auf 68,9 Mill. Euro.

Dabei ist die Automobilindustrie mit 53 % Anteil an den Auftragseingängen die mit Abstand wichtigste Kundengruppe der Karlsruher. IWKA liefert nicht nur Schweißroboter, sondern auch Werkzeugmaschinen zur Herstellung von Motoren und Getrieben sowie Montage- und Prüfanlagen.

Ein Grund für Fahrs Optimismus, gegen den negativen Trend der Maschinenbaubranche schwimmen zu können: Das langjährige Sorgenkind, der Werkzeugmaschinenhersteller Ex-Cell-O, mit dessen Technik Motoren bearbeitet werden, soll nach langwierigem Umbau und mit einem neuen Produktprogramm endlich die Gewinnzone erreichen.

Zudem stützen die Auftragseingänge im ersten Quartal die Zuversicht, sie lagen um 4 % über Vorjahr. So hat IWKA von Daimler-Chrysler den Zuschlag für das neue Motorenwerk im thüringischen Kölleda erhalten. Dort wird der Motor für den viersitzigen Smart gebaut - ein Auftrag von 60 Mill. Euro.

Erstmals liefert die IWKA dort die komplette Prozesskette zur Motorenfertigung inklusive der Montage- und Prüftechnik und versucht zusätzlich, als Dienstleister für Instandhaltung ins Geschäft zu kommen. "Kölleda ist für die IWKA die Feuertaufe", erklärt Dirk Nettling, Analyst bei der Deutschen Bank. Bisher hat die IWKA solche umfassenden Leistungen nur im Anlagenbau bei ihren Robotern angeboten.

Das Angebot zusätzlicher Dienstleitungen, die bei Ford in Köln sogar die Vermietung der Produktionsanlage umfasst, ist für Fahr eine Strategie, sich dem wachsenden Margendruck zu entziehen. Ähnliche Wege gehen auch andere deutsche Spezialisten für Produktionsanlagen wie der Göppinger Großpressenhersteller Schuler AG oder der Stuttgarter Lackieranlagenhersteller Dürr AG. Der Thyssen-Krupp-Konzern hingegen, der bei Produktionssystemen für die Autoindustrie einen Umsatz von rund 1,6 Mrd. Euro erzielt, hält von dieser Strategie nicht viel nicht. "Das bedeutet auch ein deutlich höheres unternehmerisches Risiko", erklärt ein Thyssen-Sprecher. Wie auch immer, der Margendruck ist ein Zeichen, dass auch in Europa die Zeiten härter werden. Dabei streichen die hiesigen Autohersteller trotz Absatzflaute ihre Investitionsprogramme bisher nicht so zusammen wie ihre nordamerikanische Konkurrenz. "Es ist ein typisch amerikanisches Verfahren in Krisenzeiten, die Budgets radikal zusammenzustreichen", erklärt Albrecht Denninghoff, Automobilexperte bei der Hypo-Vereinbank.

Entscheidend für die Branche ist, dass BMW, Mercedes-Benz oder auch die französischen Hersteller Renault und Peugeot ihre Modelloffensiven fortsetzen. Denn dafür müssen sie in ihre Produktionsanlagen investieren. "Wir rechnen mit einem weiteren Zuwachs für unser Geschäft", erklärt Fahr. Auch Schuler rechnet in Europa mit mehr Aufträgen. Dürr spricht sogar von einer "freundlichen Projektlage".

In Nordamerika dagegen sieht es weiter düster aus. Bei Schuler war dies bereits 2001 der wesentliche Grund für den Einbruch des Auftragseingangs um mehr als ein Viertel. Dürr hat die Krise besonders bei seiner Prüftechnik-Tochter Schenck zu spüren bekommen. Auch Thyssen-Krupp hat mit seinen Werkzeugmaschinen für die Motoren- oder Getriebebearbeitung einen Nachfrageeinbruch in den USA von 50 % hinnehmen müssen. Konkurrent IWKA war mit Ex-Cell-O weniger betroffen, da man bei dem Sorgenkind bereits in der Restrukturierungsphase war.

Wann es in den USA wieder aufwärts geht, ist unklar. "Es ist schwierig zu sagen, wann die US-Nachfrage wieder kommt", erklärt ein Schuler-Sprecher. "Das kann plötzlich anspringen, wenn wir gar nicht damit rechnen", gibt Fahr zu bedenken.

Quelle: Handelsblatt

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