Maschinenbau
Am Montag fällt Entscheidung zu Babcock

Trotz erhöhter finanzieller Zusagen seitens des Bundes und des Landes zögern die Gläubigerbanken weiter, ihre finanziellen Zusagen an den Maschinenbauer zu erweitern. Am Montag trifft sich die Krisenrunde erneut und muss entscheiden, ob der Insolvenzantrag zurück genommen werden kann.

gil DÜSSELDORF. Heute soll sich das Schicksal des Maschinenbau-Konzerns Babcock Borsig entscheiden. Die Krisenrunde aus Banken, Unternehmensführung und Politik wird ihre am Freitag unterbrochenen Gespräche in der Düsseldorfer Staatskanzlei wieder aufnehmen. Sprecher des Unternehmens und der Landesregierung bestätigten am Sonntag, dass sich am Montag entscheiden werde, ob ein Rettungsplan für Babcock zu Stande kommen werde oder nicht. Das Unternehmen benötigt insgesamt 700 Mill. Euro, davon 200 Mill. sofort, um offene Rechnungen und Gehälter zu bezahlen.

Chancen zur Rettung verbessert

Die Chancen für die Rettung des insolventen Unternehmens mit weltweit 22 000 Mitarbeitern haben sich über das Wochenende verbessert, da Bund und das Land Nordrhein-Westfalen sich bereit erklärt haben, ihre Zusagen für Bürgschaften zu erhöhen. Sie sind jetzt bereit, Bürgschaften im Volumen von 430 Mill. Euro bereit zu stellen, bis Freitag lautete die Zusage lediglich über 350 Mill. Euro. Der Bund ist nach Aussage von Bundeskanzler Gerhard Schröder bereit, 200 Mill. Euro zu tragen. Der Staat darf bei Unternehmenskrediten maximal bis zu 80 % bürgen. Die Gesellschafter WestLB und Tui sowie der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) haben bereits erklärt, das Eigenkapital des Unternehmens um insgesamt 200 Mill. Euro zu erhöhen.

Schröder verteidigt Hilfe

Bundeskanzler Schröder hat die staatliche Bürgschaft für Babcock verteidigt. Es gelte, Missmanagement mit Hilfe des Staates außer Kraft zu setzen, damit nicht 10 000 Menschen über Nacht arbeitslos werden, sagte er am Samstag auf einer DGB-Veranstaltung in Stuttgart. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel übte scharfe Kritik an den Banken. Der nordrhein-westfälische CDU-Landeschef Jürgen Rütgers warf dem Aufsichtsrat Versagen vor.

Commerzbank zögert noch

Bisher haben vier der sechs beteiligten Hauptgläubigerbanken dem ausgehandelten Finanzierungskonzept ihre Zustimmung verweigert. Doch deutet sich auch hier eine größere Kompromissbereitschaft an. "Wenn die Bürgschaften weiter erhöht werden, fällt es immer schwerer Nein zu sagen", hieß es am Wochenende aus einem der Institute. WestLB und die Deutsche Bank haben nach Aussage von Clement dem Rettungsplan bereits zugestimmt. Nach einer Meldung der "Welt am Sonntag" zögerten vor allem die Commerzbank und die Hypo Vereinsbank mit weiteren Finanzhilfen. Angeblich sei eine Lösung am vergangenen Freitag fast erreicht worden. Es sei nur noch um eine Summe von rund 70 Mill. Euro gegangen.

Insolvenzantrag kann bei Einigung zurückgezogen werden

Sollte eine Einigung erreicht werden, könnte der Insolvenzantrag zurückgezogen werden. Babcock hatte am vergangenen Freitag Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Duisburg hat den Krefelder Rechtsanwalt Helmut Schmitz zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. Er wird aber einige Zeit benötigen, um über eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu entscheiden. Bis dahin hat Babcock die Möglichkeit, den Antrag zurückzuziehen, wenn das Sanierungskonzept den Insolvenzverwalter überzeugt.

Kritik vom Insolvenzverwalter

Der Insolvenzverwalter hat am Wochenende kritisiert, dass Babcock die schwierige Finanzlage erst so spät offen gelegt habe. Das Zögern bedürfe einer Klärung. Der Babcock-Vorstand soll nach Angaben von Bankenkreisen teilweise oder vollständig abgelöst werden. Der Geschäftsbereich Anlagen und Bau neuer Kraftwerke solle abgewickelt werden. Nach dem Weggang des umstrittenen Chefs Klaus Lederer hatte der Aufsichtsrat den Steag-Chef Jochen Melchios berufen. Ob er aber kommt, gilt als unsicher.

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