Maschinenbau-Branche
Heidelberger unter Druck

Eine schwierige Zeit für die Heidelberger Druckmaschinen AG. Nach einem extremen Aufschwung folgte nun fast ohne Vorwarnung der Abschwung. Das Unternehmen hat die vorgegebenen Ziele knapp erreicht.

 

DÜSSELDORF. Das Ergebnis nach Steuern lag mit 201 (283) Mill. Euro 29 Prozent unter dem Vergleichswert aus dem Vorjahr. Der heutige Vorstandschef Bernhard Schreier führt den Einbruch auf die Konjunkturabkühlung vor allem in den USA zurück. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2002 sei mit einer spürbaren Erholung zu rechnen. Der Auftragseingang ging 2001/02 um 17,5 Prozent auf 4,57 Mrd. Euro zurück, Ende März lagen Heidelberger Druck - nach eigenen Angaben - Aufträge über 1,12 Mrd. Euro vor. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,68 Mrd. Euro gewesen.

Vermutlich erstmalig in der Geschichte der Heidelberger Druckmaschinen soll es heute deutliche zweistellige Rabatte beim Kauf von Neumaschinen geben. Solche Ansinnen waren in der Vergangenheit erfolglos.

Dem Unternehmen gelang der Umschwung von der klassischen Werkbank zum Generalisten offenbar gut. Als nackter Maschinenbauer entwickelte sich die Heidelberger Druckmaschinen AG zum Systemlieferanten und vor allem Dienstleister. War es früher nur das Geschäft möglichst langlebige und präzise Maschinen zu entwerfen und zu bauen - zum Beispiel wurde der Auslandsverkauf bis vor einem Jahrzehnt völlig Handelshäusern überlassen -, so zählt heute mehr. Die wichtigen Exportmärkte haben die Heidelberger Manager fest im Griff.

Ein Schmuckstück der "neuen" Heidelberger ist die Print Media Academy, die an neun Standorten, von Heidelberg bis Kuala Lumpur, Training und vor allem Unternehmensberatung anbietet. Die im Jahr 2000 - es wurde das 150. Firmenjubiläum in Heidelberg gefeiert - eröffnete Zentrale gegenüber dem Bahnhof ist ein architektonisches Meisterwerk. 40 Millionen Euro ließ sich der Konzern diese Bildungszentrale für Beschäftigte und Kunden kosten.

Alles aus einer Hand

Auf hohem Niveau werden die Produkte erklärt. Dies zahlt sich aus, desto komplexer einzelne Druckwerke und natürlich komplette Verarbeitungssysteme inklusive Druckvorstufe (Prepress) und Nachbearbeitung (Postpress) werden. Der größte Vorteil aber wird für Unternehmer geboten. Von Einkauf über Marketing bis hin zum Verkauf der Druckerzeugnisse gibt es praktische Anleitungen für die meist mittelständisch strukturierte Kundschaft. Dies hilft bei den verhältnismäßig großen Investitionen das immer schneller drehende Geschäft in den Griff zu bekommen.

Ralph Obersteiner, der kürzlich noch ein Seminar der Heidelberger Niederlassung Düsseldorf in Köln durchführte, half dabei Existenzgründern auf die Beine. Der Unternehmensberater aus Kerpen, der eng mit dem Druckmaschinenbauer aus Heidelberg verbunden ist, lobt das Produktmanagement, das national und international intensive Marktforschung betreibt. Diese Truppe sei durch eine gute Vernetzung auf allen wichtigen Märkten präsent.

"Die Kunden fühlen sich gut betreut", schildert Obersteiner, "nicht der Verkauf einer neuen Maschine erfolgt, sondern die Heidelberger helfen auch kleineren Betrieben, diese Unternehmen weiter zu entwickeln." Ganz aktuell drückt die meisten Drucker der Basel-II-Schuh. Diese neuen Spielregeln für Kredite liegen einer Branche mit kapitalintensiven Anlagen schwer im Magen. Obersteiner: "Kostenpflichtige Fortbildung von Heidelberger zeigt den Unternehmern, wie sie vor dem Hintergrund von Basel II noch vernünftige Finanzierungen hinbekommen. Heidelberger Druckmaschinen bietet also einen ganzheitlichen Ansatz."

Nur Marktführer kann alles aus einer Hand anbieten

Diese Dienstleistungen, die den Verbänden der Druckindustrie Konkurrenz macht, belegen die Vorrangstellung der Maschinenbauer vom Neckar, denn nur der Marktführer - zumindest technologisch - kann alles aus einer Hand bieten.

Im Moment ist die Druckbranche von einer Konjunkturschwäche betroffen, die Heidelberger deutlich zu spüren bekommt. Die kapitalintensive Branche schaut auf jeden Cent. Und Heidelberg, die stets gute Preise für ihre Produkte erzielen konnten, muss immer mehr sich der Billiganbieter aus Asien erwehren. Zudem ist das Image der Deutschen im Digital-Druck noch sehr jung, aber im Top-End gefestigt.

fox

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