Maschinenbau erwartet steigende Produktion
Industrie hofft auf zweites Halbjahr

Die deutschen Schlüsselbranchen Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik rechnen mit einem Ende der konjunkturellen Talfahrt in der zweiten Jahreshälfte. "Was das laufende Jahr betrifft sind wir trotz mancher Unwägbarkeiten zuversichtlich", sagte Diether Klingelnberg, der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), zum Auftakt der weltgrößten Industriemesse in Hannover.

HB/juf HANNOVER. Der Verband geht davon aus, dass bis zur Jahresmitte die Auftragseingänge, die Ende des vergangenen Jahres noch drastisch eingebrochen waren, wieder anziehen. Speziell im Auslandsgeschäft gebe es erste Hinweise, dass die Talsohle bereits durchschritten sei. Wenn nun auch noch das Inland nachziehe, könne die Maschinenbauproduktion "im zweiten Halbjahr 2002 wieder auf einen moderaten Wachstumskurs einschwenken".

Für das Gesamtjahr bleibt der Verband aber bei seiner Prognose, dass die Produktionszahlen im Vergleich zum Vorjahr um 2 % zurück bleiben werden. "Für ein ausgeglichenes Ergebnis dürfte die Wende also zu spät kommen", sagte

Die Beschäftigtenzahl von rund 900 000 könne vermutlich gehalten werden, sollte im Sommer tatsächlich ein Aufschwung einsetzen, sagte Klingelnberg. Mit Kurzarbeit und flexiblen Arbeitszeitmodellen sei es dem Maschinenbau im Gegensatz zu früheren Krisen gelungen, die Mitarbeiterzahl nahezu konstant zu halten. "Wir kommen vermutlich mit einem blauen Auge davon", erklärte der VDMA-Präsident.

Auch die Automatisierungsindustrie, die vor allem im Bau von Fabrikanlagen tätig ist und die den Schwerpunkt der Hannover Messe bildet, ist für den weiteren Jahresverlauf zuversichtlich. Der Vorsitzende des Fachverbandes Automation im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Helmut Gierse, sagte, das Jahr 2002 sei zwar wie erwartet ein schwieriges Jahr, im zweiten Halbjahr sei aber eine Erholung möglich. "Analog zur gesamten Elektrokonjunktur sind wir zuversichtlich, dass das Geschäft im zweiten Halbjahr wieder anzieht und den Rückgang des ersten Halbjahres weitgehend kompensiert", erklärte Gierse. Und fügte hinzu: "Immer wenn das Gefühl positiver ist, als die gegenwärtige Situation, ist das ein Indikator, dass die Konjunktur wieder anzieht". Insgesamt werde aber auch die Automatisierungsbranche 2002 noch mit einem leichten Minus abschließen.

Auch die Mikroelektronik ist wieder im Aufwind. "Wir hoffen auf die Trendumkehr", sagte Klaus Wucherer, stellvertretender VDE-Vorsitzender. Nach Schätzungen des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) wird der weltweite Halbleitermarkt in diesem Jahr um 5 % wachsen und 2003 sogar mit zweistelligen Raten. 2001 war der Umsatz noch um 32 % auf 139 Mrd. $ eingebrochen

Hinter den optimistischen Prognosen der Industrie stehen aber noch viele Fragezeichen. Jede Verzögerung des einsetzenden Aufschwunges verzögere die Prognose seines Verbandes, sagte VDMA-Präsident Klingelnberg: "Wenn wir unsere Prognose erreichen wollen, zählt jeder Monat". Entscheidend sei neben den Impulsen aus dem Ausland nicht zuletzt die laufende Tarifrunde. Ein moderater, am Produktivitätszuwachs - den er auf 2 bis 2,5 % schätzt - orientierter Abschluss, sei nötig, um die zurückhaltende Investitionsneigung im Inland zu überwinden. Auch ein mehrwöchiger Streik, würde das optimistische Szenario zerstören.

Auch ZVEI-Vertreter Gierse warnt vor allzu forschen Erwartungen. "Wir sind nicht sicher, dass der Aufschwung tatsächlich im zweiten Halbjahr kommt", erläutert er. Erst für 2003 seien die Perspektiven nachhaltig besser.

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