Maschinenbaukonzern kann Anleger bislang nicht begeistern
MAN baut den Konzern maßvoll um

Der Maschinenbaukonzern MAN arbeitet weiter an einem Umbau seiner Strukturen. MAN-Chef Rupprecht räumt dabei ein, dass er damit auch Forderungen der Kapitalmärkte nachkommt. Den Konzern zu zerschlagen wäre für ihn jedoch undenkbar. Der MAN-Aktie, die zuletzt abgerutscht ist, fehlte bisher die Phantasie der Anleger.

MÜNCHEN. Der Maschinenbauer MAN will seinen Konzernaufbau weiter straffen. "Es gibt durchaus Einheiten, über die wir nachdenken", sagte MAN-Vorstandschef Rudolf Rupprecht dem Handelsblatt. Es würden diejenigen Bereiche hinterfragt, die nicht das MAN-Kriterium erfüllten: weltweit unter den ersten Drei im jeweiligen Spezialmarkt zu rangieren. Dies treffe auf ein Siebtel des Umsatzes zu, sagte Rupprecht.

Der MAN-Chef betonte, der Konzern werde in jedem Fall an den vier großen Geschäftsfeldern Nutzfahrzeuge, Druckmaschinen (MAN Roland), Diesel-Motoren (MAN B&W Diesel) und Ferrostaal (Industrie-Dienstleistungen und Anlagenbau) festhalten. "Wir wollen die maschinenbauorientierte MAN bleiben, aber in den Strukturen an einigen Stellen klarer werden", betonte Rupprecht. Die internen Synergien der Geschäftsfelder seien erheblich. Den Börsengang von Tochterunternehmen schloss der MAN-Chef zwar nicht aus, es gebe aber keine konkreten Pläne.

Rupprecht, dessen Vertrag noch bis Ende 2003 läuft, erteilte damit erneut radikalen Forderungen eine Absage, den Konzern zu zerschlagen. Hintergrund ist, dass Mischkonzerne an der Börse mit einem Abschlag gehandelt wurden. Darum dringt auch der Allianz-Konzern, der mit der Münchener Rück und der Commerzbank über die Regina-Holding 36 % an MAN kontrolliert, auf Veränderungen.

In zahlreichen Sparten gehört der Konzern zu den weltweit führenden Anbietern und ist etwa mit Dieselmotoren die Nummer eins. Bei Nutzfahrzeugen liegt der Konzern, der von der Holding in München gesteuert wird, europaweit an dritter Stelle. MAN beschäftigt weltweit 74 000 Mitarbeiter.

Seit drei Jahren wandelt sich die Konzernstruktur

Welche Einheiten von der Veränderung betroffen sein könnten, wollte Rupprecht nicht sagen. Dies würde nur interne Unruhe bringen und Verkaufschancen mindern. Betroffen sind aber wohl einzelne Firmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der zurzeit gut ein Fünftel zum Umsatz beiträgt. MAN hat hier unter anderem SMS (Anlagenbau), MAN Technologie (Raumfahrt) und Renk (Getriebe) zusammengefasst. Jürgen Warfsmann, Analyst der Hypo-Vereinsbank, hält den Verkauf einiger MAN-Randaktivitäten für sinnvoll, bescheinigt dem Management aber generell gute Noten in der Führung.

Der Konzern ist bereits seit drei Jahren im Wandel: Einerseits hat man Teile verkauft, andererseits für rund 1,4 Mrd. DM zugekauft, so die Turbomaschinen von Sulzer, den Bushersteller Neoplan und die Dieselmaschinen von Alstom. Der zusätzliche Umsatz liegt bei rund 3 Mrd. DM. Jetzt geht es laut Rupprecht darum, die Zukäufe auf Profitabilität zu trimmen.

Zur aktuellen Geschäftsentwicklung sagte Rupprecht, MAN habe auf zwei Baustellen zu kämpfen. Zum einen trübe sich die Konjunktur bei Nutzfahrzeugen ein. Zum anderen dauere die Integration bei SMS länger und werde teurer als erwartet. Außerdem sei im letzten vollen Geschäftsjahr 1999/2000, das als Vergleichsmaßstab gilt, wegen eines Verkaufs ein hoher außerordentlicher Ertrag verbucht worden, der jetzt fehlt.

Erst vor zwei Wochen hatte der Konzern mitgeteilt, für 2001 werde ein Ergebnisrückgang befürchtet. Der Umsatz soll dagegen um etwa 10 % auf über 16 Mrd. Euro steigen. Die Börse quittierte die Gewinnwarnung mit einem Kurssturz von etwa 10 %. Inzwischen liegt die Aktie bei nur noch 28 Euro. Ihr Hoch hatte sie zuvor bei knapp 40 Euro.

MAN habe sich im Vergleich zur Konkurrenz zu lange positiv zur Nutzfahrzeugkonjunktur geäußert, sagt DG- Bank-Analyst Ulrich Scholz dazu. Rupprecht sieht eine angemessene Bewertung bei 36 bis 38 Euro. Die meisten Analysten stufen MAN auf "neutral". Rupprecht ist für das Nutzfahrzeuggeschäft der MAN trotz vorübergehend ungünstiger Kostenstrukturen dennoch optimistisch. Er rechnet zwar in Europa mit einem Marktrückgang von 6 bis 8 % und starkem Preisdruck, will aber seinen europaweiten Marktanteil ausbauen. "Wir planen bei Nutzfahrzeugen eine Geradeausfahrt", so Rupprecht. Dazu würden auch Großaufträge aus Afrika und dem Irak beitragen. Die Bereiche Druckmaschinen, Dieselmotoren und Ferrostaal liefen "sehr gut".

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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