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Massachusetts schreibt Geschichte - Lesben und Schwule heiraten

Boston (dpa) - Als erster US-Bundesstaat hat Massachusetts die Ehe zwischen schwulen und lesbischen Paaren am Montag legalisiert. Das Standesamt in der liberalen Universitätsstadt Cambridge öffnete bereits kurz vor Mitternacht und gab die Anträge aus.

Sektkorken knallten und Jubel brach aus unter den Hunderten von Heiratswilligen und deren Freunden, die bei kühlem und regnerischem Wetter teilweise mehr als 24 Stunden vor dem Rathaus gewartet hatten, um den historischen Moment mitzuerleben. US-Medien rechnen damit, dass das Thema den Präsidentschaftswahlkampf weiter anheizen wird.

Im Februar hatte bereits der Bürgermeister von San Francisco für Aufsehen gesorgt, als er in einem Verstoß gegen geltendes Gesetz mehr als 3400 gleichgeschlechtliche Paare traute. Anders als in Massachusetts verbot der Oberste Gerichtshof von Kalifornien die Praxis später. Auch in einem Bezirk im US-Bundesstaat Oregon wurden Homo-Ehen geschlossen.

Marcia Hams und Susan Shepherd erhielten als erstes Paar im historischen Rathaus von Cambridge die Dokumente. Die beiden Mittfünfzigerinnen haben bereits 27 Jahre lang zusammengelebt. Nach geltendem Gesetz müssen die Paare nach Ausfüllen der Anträge drei Tage bis zur eigentlichen Hochzeit warten, falls sie keine Ausnahmegenehmigung erhalten. Massachusetts Gouverneur Mitt Romney wies die Beamten an, keine Homo-Paare aus anderen Bundesstaaten zu trauen, um einem Hochzeits-Tourismus wie in Las Vegas vorzubeugen.

Gegner der Homo-Ehe waren noch am Freitag mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung vor dem Obersten Gerichtshof der USA gescheitert. In einer Erklärung von Erzbischof Sean P. O'Malley heißt es, mit tiefer Trauer werde die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zur Kenntnis genommen.

Der Rechtsstreit um gleichgeschlechtliche Ehen in Massachusetts war im vergangenen November mit einem Aufsehen erregenden Urteil entschieden worden. Nach einem Urteil des obersten Gerichtshofes ist die Verweigerung der staatlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren diskriminierend und verletzt die Verfassung des Bundesstaates. Das Parlament wurde angewiesen, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Zulassung der Homo-Ehe ab 17. Mai zu schaffen.

Das Parlament von Massachusetts stimmte im März zwar für eine Verfassungsänderung, die Homo-Ehen explizit verbietet. Die Entscheidung tritt aber frühestens in zwei Jahren in Kraft. Politiker im ganzen Land arbeiten unterdessen an Verfassungsänderungen, um die Ehe klar als Verbindung zwischen Mann und Frau zu definieren.

US-Medien rechnen damit, dass das Thema den Wahlkampf weiter anheizen wird, weil Massachusetts der Heimatstaat des demokratischen Herausforderers John Kerry ist. Kerry hat sich wie US-Präsident George W. Bush gegen Homo-Ehen ausgesprochen. Während Bush jedoch die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau in der Verfassung verankern lassen will, plädiert Kerry für eingetragene Lebenspartnerschaften, um diesen Paaren mehr Rechte als bisher einzuräumen. Nach Meinungsumfragen lehnt die Mehrheit der US-Bürger die gleichgeschlechtliche Ehe ab.

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