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Massendemo gegen Le Pen

Weit mehr als eine halbe Million Menschen haben den 1. Mai in Frankreich zu einer machtvollen Demonstration gegen den Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen gemacht.

dpa PARIS. Vier Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt erreichte die friedliche Protestwelle gegen den rechtsradikalen Kandidaten damit ihren Höhepunkt. Le Pen dagegen verfehlte sein Ziel, 100 000 Anhänger zu mobilisieren. Er war bei der ersten Runde am 21. April überraschend zusammen mit Amtsinhaber Jacques Chirac in den entscheidenden Wahlgang eingezogen.

In Paris marschierten auch die Anhänger von Le Pen am Vormittag zu Zehntausenden durch das Zentrum. Bei der größten Kundgebung seiner ausländerfeindlichen Nationalen Front (FN) forderte der 73-jährige Rechtsextremistenführer "Frankreich den Franzosen" und rief auch die linken Wähler auf, am Sonntag für ihn und gegen Chirac zu stimmen.

In der Hauptstadt wollte die breite Front von Gewerkschaften, Menschenrechts-Gruppen, Grünen und anderen Organisationen am Nachmittag nochmals über 200 000 Teilnehmer zur Kundgebung gegen Le Pen versammeln. Die Polizei hat mehr als 3500 Beamte zusammengezogen. Wegen befürchteter Krawalle wurden die Kundgebungen der Gegner und der Anhänger Le Pens zeitlich und räumlich getrennt. Bis zum Ende der rechtsextremen Demonstration kam es nur zu kleineren Zwischenfällen.

In mehreren französischen Großstädten strömten mehr Teilnehmer denn je zu einer Kundgebung am 1. Mai, wobei fast überall der Protest gegen den Rechtsextremismus vor den sozialen Fragen und Forderungen stand. In Bordeaux waren es etwa 40 000, in Grenoble mehr als 50 000 und in Toulouse rund 35 000, die Front gegen Le Pen machten.

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen zog ein mehr als ein Kilometer langer Zug von Anhängern Le Pens in Paris am weltberühmten Louvre-Museum entlang zum Denkmal der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc (Johanna von Orléans). Dort legte Le Pen, der von seinem Ordnungsdienst hermetisch abgeschirmt wurde, traditionsgemäß einen Strauß blauer Lilien nieder. Die von ihm erhoffte Zahl von 100 000 Teilnehmern an der Demonstration, bei der auch eine Delegation der rechtsextremen italienischen Partei Forza Nuova mitmarschierte, wurde nach Schätzungen bei weitem nicht erreicht.

Seine aus allen Landesteilen in die Hauptstadt gekommenen Anhänger skandierten "Le Pen Präsident" und "Frankreich - Le Pen - Freiheit" und schwenkten tausende Trikolore-Nationalflaggen. Immer wieder wurde Chirac angegriffen. Sprechchöre "Le Pen in den Elysée-Palast - Chirac in das Santé-Gefängnis" spielten auf mögliche Korruptionsaffären des konservativen Staatschefs während seiner Zeit als Pariser Bürgermeister an. Ein großes Aufgebot von Ordnungskräften der rechtsradikalen Partei begleitete den Zug und unterband schon im Ansatz Versuche einiger Skinheads zu militanten Aktionen. Dagegen waren zahlreiche Schüler und Studenten mit Schildern wie "Jugend für Le Pen" zu sehen.

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