Massive Abwertung der Währung stürzt Importhandel in Nöte: Irak-Krise wirft Schatten auf Ägyptens Wirtschaft

Massive Abwertung der Währung stürzt Importhandel in Nöte
Irak-Krise wirft Schatten auf Ägyptens Wirtschaft

Sollten in wenigen Wochen die ersten US-Bomben auf den Irak fallen, Ägyptens Wirtschaft würde schwer in Mitleidenschaft gezogen werden - nicht nur, weil Irak unter dem Uno-Programm "Öl für Lebensmittel" einer der wichtigsten Handelspartner für das Land am Nil ist.

KAIRO. Ägypten befürchtet auch drastische Einnahmeausfälle, weil die Touristen fern bleiben, der Schifffahrtsverkehr durch den Suez-Kanal eingeschränkt wird und Investoren das Land am Nil wohl meiden dürften. "Wir sind extrem besorgt", sagt Nader Riad, Chef von Bavaria Egypt.

Ersten Kalkulationen von Handelsminister Boutros-Ghali zufolge könnte sich der Gesamtschaden auf bis zu 8 Mrd. $ summieren. Der ägyptische Unternehmerverband Federation of Egyptian Industries (FEI) erwartet eine Verdopplung des Defizits in der Zahlungsbilanz auf 3,7 Mrd. $. Doch mit Kompensationen wie seinerzeit nach dem ersten Golfkrieg 1991 kann Kairo nicht rechnen. Damals hatten die wichtigsten Gläubiger in der Golfregion Ägypten großzügig Schulden in Höhe von 7 Mrd. $ erlassen. Heute muss Kairo wohl den Gang zur Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank antreten, um die Lücke in der Zahlungsbilanz ein wenig zu schließen. Ägypten hat schon um die Freigabe der vor einem Jahr in Aussicht gestellten Kredite von je 500 Mill. $ vorgefühlt, sagt Mahmood Ayub, Direktor des regionalen Weltbankbüros in Kairo dem Handelsblatt.

Zerstoben sind die Hoffnungen Kairos, sich zum "Tiger am Nil" zu wandeln. Nach den Terroranschlägen auf Touristen in Luxor 1997, der Asienkrise ein Jahr später und den Anschlägen vom 11. September 2001 hat Ägyptens Wirtschaft eine kontinuierliche Talfahrt erlebt. Das Wachstum sinkt und dürfte nach Schätzungen des IWF im Fiskaljahr 2001/02 (Juli-Juni) bestenfalls 2 % erreicht haben. Für das laufende Haushaltsjahr sind die offiziellen Prognosen von 3,5 % kaum haltbar. Die Hälfte scheint wahrscheinlicher. "Ägypten zählt neben Jordanien und Libanon zu den Hauptleidtragenden eines Irak-Krieges", sagt Ahmed Galal, Leiter des Egyptian Center for Economic Studies.

Galal sieht die Auswirkungen eines Krieges jedoch eher als Übergangsphänomene. Ihn beunruhigt mehr, das sich Ägyptens Regierung wenig marktkonform verhält. "Die Wirtschaft hat bereits einen hohen Preis für ein fixes Wechselkursregime bezahlt. Ägypten leidet unter hoher Arbeitslosigkeit und zu geringem Wachstum." Die Regierung hat Ende Januar zwar überraschend den Kurs des Pfundes freigegeben. Doch dieser Schritt verursacht zunächst neue Verwerfungen. Die Preise für Importgüter steigen, das Pfund hat gegenüber dem Dollar mehr als 25 % an Wert verloren und droht weiter abzugleiten. Vor allem der Mittelstand ist sauer: "Das ist eine Katastrophe für Importeure von Gütern und Dienstleistungen", klagt Bauingenieur Mamdouh Habashi. Für ihn steht die Wirtschaft bereits am Rand des Kollapses.

Das Bankensystem Ägyptens wurde vom Schritt der Regierung kalt erwischt. An den Schaltern sind Euro und Dollar Mangelware. Für Habashi sind die Konsequenzen klar: Viele kleine Unternehmen gehen jetzt pleite. Das trifft eine Wirtschaft besonders hart, in der die tatsächliche Arbeitslosigkeit die offiziellen Angaben von 8 % um mehr als das Doppelte überschreitet. Galal sieht die Lage nüchterner. "Das sind die Wehen der Anpassung. Das System muss sich einpendeln." Beifall erhält die Regierung aus Bankenkreisen. "Die Freigabe des Pfundes war seit 20 Jahren überfällig", sagt Enayat Saeed El Nagar, Senior Chief Manager der Misr Exterior Bank. Die Bankerin hofft, dass weitere Reformen ins Rollen kommen. "Wir brauchen mehr Liberalisierung und weniger Bürokratie", sagt sie. Doch auch sie sieht, dass nicht nur im Bankensystem die Managementkapazitäten begrenzt sind. "Ägypten befindet sich in einer Übergangsphase von einer Staats- zur Marktwirtschaft", erläutert Peter Goepfrich, Leiter der Deutsch-Arabischen Handelskammer in Kairo. "Bei vielen Unternehmen ist das Bewusstsein für Qualität nicht sehr ausgeprägt." Im Bankensystem sieht er daher nicht die einzige Achillesferse.

Neue Gesetze wie ein neues Arbeits-, Steuer und Bankenrecht sind zwar in Arbeit. "Das Problem ist nur", sagt ein Diplomat, "viele Vorhaben verschimmeln in den Schubladen der Bürokraten". Investoren meiden Ägypten derweil. Der ägyptische Unternehmerverband rechnet damit, dass Auslandsinvestitionen 2003 komplett zum Stillstand kommen.

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