Massive Einbußen im Krisenjahr 2002: Hunzinger auf der Jagd nach den Tugenden

Massive Einbußen im Krisenjahr 2002
Hunzinger auf der Jagd nach den Tugenden

Das Frankfurter Kommunikations- und PR-Unternehmen Hunzinger Information AG kann das Krisenjahr 2002 mit einer Serie negativer Schlagzeilen ohne Verlust abschließen.

HB/dpa FRANKFURT. Das Betriebsergebnis ist deutlich zurückgegangen, und zwar auf 0,78 (2001: 1,33) Millionen Euro. Nach notwendigen Abschreibungen auf die Geschäftsfelder Foto (action press) und PR-Events werde man aber voraussichtlich ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen können, sagte Firmenchef Moritz Hunzinger am Freitag in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur.

Die massiven Einbußen - die Gesamtleistung des Konzerns fiel um 20 Prozent auf 19,2 Millionen Euro - haben nach Darstellung des 44- Jährigen aber nichts mit den spektakulären PR-Pleiten des vergangenen Jahres zu tun. Der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hatte den CDU-Mann Hunzinger um Beratung gebeten und ging baden. Nach den Wasserspielen mit Gräfin Pilati verhedderte sich der Pfälzer schließlich bei gemeinsamen Kleiderkäufen. "Scharping hat alles selbst bezahlt", beteuert Hunzinger. Der Minister habe aber auf der Abschussliste von Kanzler Schröder gestanden.

Als auch der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir ins politische Abseits fiel, weil er von Hunzinger Geld geliehen hatte, galt er als "der verruchteste PR-Berater der Bundesrepublik" (Der Spiegel). Die gesamte Branche geriet in Verruf, Vorurteile über käufliche Politiker schienen bestätigt. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) sprach eine Rüge aus, um weitere Imageschäden zu verhindern.

Dies alles hat nach Darstellung des PR-Profis nicht die Umsatzrückgänge und den Personalabbau auf 120 (142) Personen ausgelöst. Einen Großkunden wie Microsoft nach mehr als vier Jahren zu verlieren, sei in der Branche normal, zumal wenn es einen Wechsel in der Firmenspitze gebe. Im Übrigen habe in der gesamten Kundschaft das Thema Budgetkürzung oberste Priorität. Dies führe auch zu einer neuen Ordnung im Kommunikationsgeschäft. "Wir sind auf der Jagd nach Tugenden", beschreibt Hunzinger das neue Umfeld.

"Wir müssen zurück zum Handwerk", betont der Träger des Bundesverdienstkreuzes, der gegen Etiketten wie "Strippenzieher" und "Beziehungsmakler" keine Einwände erhebt. "Das PR-Geschäft erhält wieder die klassische Leibarzt-Funktion." Dies bedeute "keinen Full Service, sondern Konzentration auf Firmenchefs". Die Zeiten der Kasper und Motivationskünstler mit Riesenhonoraren sei ohnehin vorbei. Generäle mit Kosovo-Erfahrung und niedrigen Gagen seien für die Motivationsförderung mittlerweile glaubwürdiger.

Dass gerade sein Haus einen Affären-Status erringen konnte, begründet Hunzinger auch mit dem Umstand, dass die von ihm gegründete Firma an der Börse notiert ist. Von einst 18 Euro Anfang 1999 ist der Aktienkurs mittlerweile aber auf gut 0,80 Euro zusammengeschmolzen. Neben Moritz Hunzinger (31,7 Prozent) gehören zu dem illustren Kreis der Anteilseigner die Effecten-Spiegel AG (21 Prozent), die Gewerkschaftsholding BGAG sowie der Deutsche Beamtenbund (zusammen 11,2 Prozent). 36,1 Prozent der 4,84 Millionen Aktien befinden sich in Streubesitz.

"Uns geht es gut, die Aktionäre lassen uns in Ruhe, ohne die schwierige Konjunkturlage wäre die Welt in Ordnung", bilanziert Hunzinger das Krisenjahr 2002. Das Einzige, was ihm noch nachhängt, ist die "scheinheilige Kritik" an Scharping, weil dieser Honorare für seine Vorträge nahm. "Hunderte Andere haben auch Honorare bekommen", daran habe niemand Anstoß genommen. Auch persönlich ging für Hunzinger das vergangene Jahr nicht gut aus: "Erstmals seit 1987 bin ich in die Ferien gefahren und habe mir prompt eine Lebensmittelvergiftung zugezogen."

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