Massive Kritik aus den USA
Granaten auf jüdische Siedlung im Gaza-Streifen

Nur Stunden nach dem Rückzug der israelischen Soldaten aus dem nordöstlichen Teil des Gaza- Streifens ist am Mittwochmorgen wieder eine jüdische Siedlung im Gaza-Streifen mit Mörsergranaten beschossen worden.

rtr JERUSALEM. Die Granaten auf ein Industriegebiet in der Siedlung Newe Dekalim wurden nach Angaben einer Sprecherin der israelischen Armee aus palästinensisch kontrolliertem Gebiet abgefeuert. Auch der Grenzübergang Eres sei mit drei Granaten beschossen worden. Verletzt worden sei niemand. In Hebron im Westjordanland kam es zu neuen Gefechten, bei denen Israel auch Panzer einsetzte. Ärzte berichteten von mindestens sechs Verletzten.

Nach massiver Kritik aus den USA zog die israelische Armee aus dem erst am Vortag besetzten Gebiet bei Beit Hanun wieder ab. Der Abzug der Truppen aus den wiederbesetzten Gebieten sei abgeschlossen, erklärte eine Armee-Sprecherin. Israel hatte in der Nacht zum Dienstag erstmals seit 1994 die Kontrolle über den autonomen Teil des Gaza-Streifens übernommen. Dem Einmarsch war ein palästinensischer Granaten-Angriff auf die israelische Stadt Sderot vorausgegangen, für den die radikale Organisation Hamas später die Verantwortung übernahm.

Unklar ist, ob mit dem Abzug auch die Blockade von Straßen im Gaza-Steifen aufgehoben wurde. Diese Maßnahme hatte das Palästinenser-Gebiet faktisch in drei Teile geteilt und die Bewohner isoliert. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat warf Israel vor, mit dem Eindringen in die autonome Region ein "nicht wieder gut zu machendes Verbrechen" begangen zu haben.

Powell bezeichnet Reaktion als "unverhältnismäßig"

US-Außenminister Colin Powell sagte, auch wenn dem Eindringen ein Granaten-Angriff voraus gegangen sei, sei die israelische Reaktion "exzessiv und unverhältnismäßig" gewesen. Aus Regierungskreisen in Washington verlautete, die USA nähmen den Abzug der Panzer und Planierraupen aus dem Gaza-Streifen beruhigt zur Kenntnis. In einem israelischen Armee-Kommunique hieß es, die Operation habe ohnehin schon am selben Tag enden sollen. Auch ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon erklärte, es sei immer gesagt worden, die Armee ziehe ab, so bald die Operation beendet sei. Ein israelischer General hatte allerdings noch am Dienstag gedroht, die israelischen Soldaten würden notfalls auch Monate lang in dem wiederbesetzten Gebiet bleiben, bis die Gewalt aufhöre.

Israel hatte nach den Zwischenabkommen von 1993 und 1994 fast den gesamten Gaza-Streifen und Teile des Westjordanlandes den Palästinensern zur Selbstverwaltung übergeben. Unter israelischer Kontrolle blieben im Gaza-Streifen nur die jüdischen Siedlungen.

Nach Angaben von Ärzten wurden am Dienstag zwei palästinensische Kinder - ein 15-Jähriger und ein Zehnjähriger - von israelischen Soldaten im Grenzgebiet des Gaza-Streifens erschossen. In Hebron kam es nach Berichten von Ärzten zu neuen Gefechten, nachdem die jüdischen Wohngebiete im Zentrum der Stadt von Palästinensern beschossen worden waren. Israelische Panzer hätten daraufhin die palästinensischen Bezirke Abu Sneineh und Harat el Scheich unter Feuer genommen. Mindestens sechs Personen seien verletzt worden. In Hebron lebt eine kleine jüdische Minderheit unter 120 000 Palästinensern.

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