Massive Kritik von Wissenschaftlern und Kirche
Forscherteam will Menschen klonen

Der italienische Fortpflanzungsmediziner Severino Antinori und sein Team will streng wissenschaftlich arbeiten. Klonen könne für unfruchtbare Menschen die einige Chance sein, ihr Erbgut weiterzugeben, sagt Antinori.

Reuters ROM. Ein Forscherteam will ungeachtet massiver Kritik von Wissenschaftlern und der katholischen Kirche Menschen klonen. Das Klonen von Menschen könne für unfruchtbare Männer die einzige Chance sein, ihr Erbgut weiterzugeben, sagte der italienische Fortpflanzungsmediziner Severino Antinori am Freitag in Rom. Die Bemühungen seiner Gruppe seien streng wissenschaftlich, betonte der Forscher. Nach Angaben Antinoris und seiner Kollegen wollen sich Hunderte Paare, auch aus Deutschland, freiwillig für das Klon-Projekt zur Verfügung stellen. Ein Vatikan-Sprecher kritisierte die Pläne als "grotesk".Auch Wissenschaftler verurteilten das geplante Experiment.

Antinoris US-Kollege Panayiotis Zavos erläuterte, es hätten sich bereits zwischen 600 und 700 Paare zur Teilnahme an dem Experiment bereit erklärt. Die Klon-Pläne seien bei Paaren weltweit auf Interesse gestoßen, "von Japan bis Argentinien, von Deutschland bis Großbritannien", sagte Zavos. Sein Team, zu dem auch der Israeli Ali Ben Abraham gehört, könne schon innerhalb der kommenden Wochen mit dem Klonen beginnen. Die Menschen würden ihren Widerstand gegen das Klonen von Menschen überwinden, sagte er. Sobald das erste geklonte Baby geboren sei und seinen ersten Schrei tue, werde die Welt es ins Herz schließen. Die Forscher wollen ihr Experiment nach eigenen Angaben in einem bisher nicht namentlich genannten Mittelmeerstaat durchführen. Zavos zufolge stehen den Forschern dazu "unbegrenzte Finanzmittel" privater Spender zur Verfügung. Einzelheiten nannte der Forscher nicht.

Zweifel an den Referenzen von Panayotis Zavos

Die US-Zeitung "Washington Post" hatte jüngst Zweifel an den Referenzen des seit mehr als 20 Jahren in der Fortpflanzungsmedizin tätigen Zavos erhoben. Während Zavos selbst sich auf einer seiner Websites als Mitglied der angesehenen Amerikanischen Gesellschaft für Fortpflanzungsmedizin bezeichnet, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Gesellschaft, diese Angaben seien falsch.

Bischof Elio Sgreccia, Chef des Bioethik-Instituts an der Gemelli-Klinik in Rom sagte, das Klonen von Menschen werfe zutiefst beunruhigende ethische Fragen auf. Sgreccia sagte, die Entwickler der Atombombe hätten seinerzeit ihre Pläne auch weiter verfolgt, obwohl sie um deren furchtbare Zerstörungskraft gewusst hätten. Die Aussichten auf das Klonen von Menschen betrübten die römisch-katholische Kirche zwar, machten ihr aber keine Angst: Es wäre ein Verrat, sollten die Bedenken der Kirche in der Klon-Debatte keine Beachtung finden, fügte Sgreccia hinzu. Der Moraltheologe Pater Gino Concetti sagte, die Klon- Pläne liefen der Würde des Menschen und seinen Rechten zuwider - vor allem dem Recht, auf natürliche Weise gezeugt zu werden.

Britisches Parlament erlaubt das Klonen von Embryonen

Beim Klonen von Tieren gehen einem erfolgreichen Versuch oft Hunderte Fehlschläge voraus. So berichtete Ian Wilmut, Erschaffer von Klon-Schaf "Dolly", das Experiment sei erst im 277. Anlauf geglückt. Bei anderen Versuchen entstanden missgebildete Tiere.

Im vergangenen Monat hatte das britische Parlament ein Gesetz verabschiedet, dass das Klonen von Embryonen erlaubt, um ihnen für medizinische Zwecke Stammzellen zu entnehmen. Stammzellen sich die Grundbausteine eines Organismus. Sie differenzieren sich im Verlauf ihrer Entwicklung und bilden dann die unterschiedlichen Organe. In Deutschland ist das Klonen von Embryonen untersagt.

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