Massive Plünderungen in Bagdad: Hussein-Regime in Auflösung

Massive Plünderungen in Bagdad
Hussein-Regime in Auflösung

Drei Wochen nach dem Beginn des Irak-Krieges hat das Regime von Saddam Hussein weitgehend die Kontrolle über Bagdad verloren. Augenzeugen berichteten am Mittwoch übereinstimmend, auf den Straßen seien keine irakischen Regierungsvertreter, Polizisten oder andere Ordnungskräfte mehr zu sehen. Wie zuvor schon in der Stadt Basra im Süden kam es auch in der Hauptstadt zu Plünderungen.

HB/dpa BAGDAD. Mehrere Sender zeigten Fernsehbilder von Hunderten von Irakern in der Fünf-Millionen-Metropole, die alle möglichen Gegenstände forttrugen und jubelten. Die USA kündigten an, die Militärpräsenz in Bagdad binnen 48 Stunden zu verdoppeln.

Am Mittwoch, dem 21. Tag des Krieges, wurden Plünderungen aus mehreren Stadtteilen gemeldet. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder von Irakern, die Vasen, Teppiche, Klimageräte und andere Einrichtungsgegenstände aus Regierungsgebäuden schleppten. Der US- Nachrichtensender CNN berichtete, ein Depot mit Regierungsfahrzeugen sei geleert worden. Über Plünderungen wurde auch aus dem Armenviertel Saddam-City im Nordosten der Stadt berichtet. Dort leben schätzungsweise zwei Mill. Menschen, vor allem Angehörige der schiitischen Bevölkerungsmehrheit, die dem Saddam-Regime tendenziell feindlich gesonnen ist. Gezeigt wurde im Fernsehen auch, wie ein alter Mann mit seinem Schuh auf ein Saddam-Bild einschlug und dabei rief: "Du Verbrecher".

Im Hotel Palestine, in dem fast alle ausländischen Journalisten untergebracht sind, waren die irakischen Beamten verschwunden, die die Medienvertreter sonst kontrollierten. Auch war der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf, der sich sonst täglich mit der Presse traf, nicht aufgetaucht. Das irakische Fernsehen sendet bereits seit Dienstag nicht mehr.

Aus Basra wurde auch am Mittwoch noch von vereinzelten Plünderungen berichtet. "Wir arbeiten hart daran, die öffentliche Ordung wieder herzustellen", sagte der britische Militärsprecher Al Lockwood. Ein Reporter des arabischen TV-Senders El Dschasira berichtete von blutigen Abrechnungen zwischen den Bewohnern der Stadt. Regimegegner hätten Mitglieder von Saddam Husseins Baath Partei - getötet. Die Parteimitglieder hätten sich bereits seit Tagen nicht mehr aus ihren Häusern gewagt.

Die USA und Großbritannien versuchen unterdessen weiter, eine Nachkriegsordnung zu schaffen. In Basra nahmen die britischen Streitkräfte mit einem örtlichen Stammesführer Kontakt auf. Der Scheich habe nach Angaben des britischen Militärsprechers, Oberst Chris Vernon, freie Hand, ein Verwaltungskomitee zu bilden. 3000 britische Soldaten hätten den größten Teil der Stadt besetzt. In der kommenden Woche soll nach CNN-Angaben die erste Konferenz der bisherigen Opposition im Süd-Irak stattfinden. Sie sei am 15. April in der Stadt Nasirija geplant.

UN-Generalsekretär Kofi Annan wird in der kommenden Woche auf dem EU-Gipfel in Athen Gespräche über die Rolle der Vereinten Nationen im Nachkriegs-Irak führen. Der Gipfel am 16. und 17. April biete Annan "die Möglichkeit, sich mit der Führung der Europäischen Union sowie anderer teilnehmender Länder zu treffen", hieß es. Seine ursprünglich für diese Woche geplanten Gespräche mit den Regierungen Frankreichs, Großbritanniens, Russlands und Deutschlands wurden abgesagt.

Nach Abgaben des außenpolitischen EU-Beauftragten Javier Solana wollen die EU-Staaten den Wiederaufbau unterstützen, wenn die UN im Nachkriegs-Irak eine entscheidende Rolle spielen. Auch der französische Außenminister Dominique de Villepin und sein britischer Amtskollege Jack Straw sprachen sich für eine bedeutende Rolle der Vereinten Nationen im Irak nach Kriegsende aus.

In und um Bagdad bauen die US-Streitkräfte unterdessen ihre Positionen weiter aus. Derzeit sei insgesamt eine Armeebrigade in der Innenstadt von Bagdad, zitierte CNN ein Mitglied des US-Generalstabs in Washington. Die US-Einheiten bewegten sich "nach Belieben" in Bagdad. Das Ende des Regimes von Saddam Hussein sei "näher, als viele geglaubt haben", hieß es aus dem Pentagon.

Nach der versuchten Tötung des irakischen Machthaber Saddam durch Zerstörung eines Restaurants, in dem er sich aufgehalten haben soll, ging das Rätselraten über sein Schicksal weiter. Während das Pentagon den Angriff als "sehr, sehr effektiv" bezeichnete, hielten britische Geheimdienste einen Erfolg der Aktion für unwahrscheinlich. Saddam sei dem Anschlag vermutlich um Minuten entkommen, berichtete die BBC unter Berufung auf Geheimdienstquellen.

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