Massiver Ertragsschwund bei Dax- und Nemax-Gesellschaften
Firmengewinne brechen ein

Die Firmen haben im dritten Quartal den bislang heftigsten Gewinnrückgang dieses Jahres zu verkraften. Mit einer Besserung rechnen Analysten erst im zweiten Halbjahr nächsten Jahres.

HB FRANKFURT/M. Den großen deutschen Unternehmen brechen die Gewinne weg. Der seit Jahresbeginn spürbare Rückgang der Unternehmensgewinne hat sich im vergangenen Quartal dramatisch beschleunigt. Hatte das Minus bei den 30 im Aktienindex Dax aufgelisteten Unternehmen im ersten Halbjahr noch 32 % betragen, lagen die Erträge zwischen Juli und September dieses Jahres nach Berechnungen des Handelsblatts um über 70 % unter den Gewinnen im gleichen Vorjahreszeitraum.

>>Tabelle Dax

>>Tabelle Nemax

Besonders schlimm sieht es bei Technologieunternehmen aus. Hatten die 50 wichtigsten am Neuen Markt notierten Unternehmen im dritten Quartal 2000 unter dem Strich noch im Plus abgeschlossen, schrieben die Nemax-50-Vertreter bis Ende September dieses Jahres massive Verluste.

Damit haben die Erwartungen vieler Analysten getrogen, dass sich die Geschäftslage der Unternehmen im dritten und vierten Quartal nicht noch weiter verschlechtern werde. Jetzt sehen sie erst nächstes Jahr eine leichte Verbesserung. Die eigentliche Trendwende verschiebe sich in die zweite Jahreshälfte 2002.

"Wir sehen den Tiefpunkt im vierten Quartal. Ab 2002 wird es wieder besser", sagte Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ursache sei unter anderem ein Basiseffekt: Der Gewinnrückgang habe im ersten Quartal 2001 begonnen. Daher sei es vom kommenden Jahr an für die Unternehmen nicht mehr so schwer, die Vorgabe aus dem Vorjahr zu erreichen.

Analysten warnen vor zu hohen Erwartungen für 2002

Gleichwohl warnen Analysten vor zu hohen Erwartungen. "Die Gewinnschätzungen für das Jahr 2002 sind immer noch viel zu hoch", glaubt Bernd Witt von der BHF Bank. Dies gilt nach Ansicht der Experten auch für den Neuen Markt – eine Ansicht, die Christian Kahler, Neuer-Markt-Experte der DZ-Bank, teilt. "Wir rechnen mit einer Korrektur um 15 bis 20 % nach unten", prognostiziert er.

Ursache des dramatischen Ertragsrückgangs, der nach Meinung der Analysten im internationalen Trend liegt, sind neben der schwachen Konjunktur die Terroranschläge vom 11. September und die damit verbundene Verunsicherung. Zudem belasten zahlreiche Sondereffekte die Quartalszahlen der Unternehmen. "Viele Firmen haben Vorsorge für das kommende Jahr getroffen und möglichst viele ertragsbelastende Effekte in dieses Jahr gepackt", meint Herbert Sturm, Aktienstratege der DZ-Bank.

Besonders hart getroffen hat es den Technologiesektor. Die im Nemax 50 notierten Unternehmen haben im dritten Quartal einen addierten Verlust in Milliardenhöhe eingefahren. Auch im Dax stehen Technologietitel auf der Verliererliste ganz oben. Neben der Deutschen Telekom ist auch Siemens nebst Chiptochter Infineon massiv in die roten Zahlen geraten. Selbst der lange Zeit als Krisengewinnler geltende Software-Riese SAP musste einen Gewinneinbruch um 50 % verkraften. Daneben spürten Lufthansa und zyklische Werte wie Bayer und MAN den Abschwung in ihren Quartalszahlen. Auch das Finanzgewerbe wurde kräftig gebeutelt. Demgegenüber konnten überraschend VW , RWE und Metro zulegen.

"Die Unternehmen haben im Vergleich zu früheren Rezessionen wesentlich schneller reagiert", lobt BHF-Experte Witt die Unternehmenschefs. Ein kleiner Aufschwung würde genügen, um die Gewinne der Unternehmen wieder ansteigen zu lassen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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