Massiver Mittelzufluss und Handelserleichterungen
Pakistans Wirtschaft profitiert von der Anti-Terror-Kampagne

Seit dem Einzug Pakistans in die "Koalition gegen den Terror" gibt sich die Regierung in Washington jede erdenkliche Mühe, Präsident Pervez Musharraf mit finanziellen Geschenken in seinem Amt zu festigen. Das lässt sich schon an den Hilfsversprechen der USA ablesen, die im gleichen Maße stiegen wie das Risiko: Die ersten 50 Mill. $ wurden binnen Wochenfrist verdoppelt, stiegen zu Beginn der Militärkampagne auf 500 Mill. $ und erreichten beim Treffen zwischen Musharraf und US-Präsident Bush vor zwei Wochen die Milliardenmarke.

HB NEU DELHI. Hinzu kommen 300 Mill. $ der "Overseas Private Investment Corporation"(OPIC) für Privatinvestitionen in Pakistan sowie ein gleich hoher Betrag, den die ExIm-Bank für pakistanische Importe aus den USA bereitstellte. Exporte aus Pakistan werden zudem von Zöllen befreit.

Gleichzeitig setzt sich Washington in den multilateralen Institutionen für Pakistan ein. Der ursprünglich vorgesehene Betrag von 2 Mrd. $, den der IWF verteilt über drei Jahre bereitstellen wollte, soll auf 3 Mrd. $ aufgestockt werden. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) stellt für das laufende Jahr 950 Mill. $ an Hilfe zur Verfügung, ein Drittel mehr als im letzten Jahr. Hinzu kommen Maßnahmen anderer OECD-Länder, die Entwicklungshilfe, Handelserleichterungen und Lockerungen beim Schuldendienst gewährt haben. Neben den USA, denen Pakistan 3 Mrd. $ schuldet, denkt auch Japan an eine Erleichterung des Schuldendienstes in Höhe von 5 Mrd. $.

Insgesamt sei Pakistan kurzfristig mit Mitteln von insgesamt 6 Mrd. $ begünstigt worden, schätzt der pakistanische Ökonom Javed Burki. Davon entfielen 2,5 Mrd. $ auf Erleichterungen beim Schuldendienst, 1 Mrd. $ auf verbesserten Marktzugang und 2 Mrd. $ auf Entwicklungshilfe.

Demgegenüber beziffert Finanzminister Shaukat Aziz die Kosten für eine kurze Militärkampagne in Afghanistan für die pakistanische Wirtschaft auf 2,5 Mrd. $. Dazu gehören neben den zahlreichen abgebrochenen Geschäftskontakten vor allem erhöhte Frachtraten und Versicherungsprämien sowie Handelshindernisse.

Die Ereignisse vom 11. September fielen in eine kritische Phase für Pakistans Wirtschaft. Gute Ernten bei den wichtigen Gütern Baumwolle und Reis versprachen nach der letztjährigen Dürre ein erhöhtes Wachstum. Dieses drohte aber durch die weltweite Rezession zunichte gemacht zu werden, angesichts der extremen Exportabhängigkeit dieser Güter. Das wirtschaftliche Engagement der Industrieländer in Pakistan glich die negativen Folgen für das Land aber mehr als aus. In den ersten vier Monaten des laufenden Rechnungsjahrs (1. Juli) erhöhte sich der Finanzzufluss aus dem Ausland um 115 % gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode. Auch die Überweisungen pakistanischer Gastarbeiter in den Golfstaaten nahmen markant zu. Dies lässt Befürchtungen verstummen, die bei Beginn der Militärkampagne in Afghanistan von einer drohenden Kapitalflucht sprachen.

Die Exporte legten zwischen Juli und Oktober um 19 % zu. Die Einfuhren sanken um 11 %. Dies ist im wesentlichen das Resultat gesunkener Erdölpreise. Die schwache Nachfrage verweist aber darauf, dass die pakistanische Wirtschaft nach wie vor nicht aus ihrem tiefen Wachstumstal herausgefunden hat. Der wichtigste Grund dafür sind die hohen Kapitalkosten für Investitionen, die der Staat mit seinem massiven Kapitalanleihen zur Bedienung seiner Schulden verursacht.

Pakistanische Ökonomen fordern die Regierung auf, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Geberländer auf langfristige Kooperationspläne zu verpflichten. Diese haben solche längst in Aussicht gestellt, konnten sie aber kaum umsetzen, da Korruption und Bürokratie einen effizienten Mitteleinsatz und dessen Kontrolle verhinderten.

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