Maßnahmen-Paket für niedrigere Preise
G-7-Gipfel: Industrieländer drängen auf Ölpreissenkung

Die sieben führenden Industrieländer (G-7) wollen die Erdöl produzierenden Länder zur Ausweitung ihrer Öl-Förderung drängen und damit die hohen Ölpreise drücken.

Reuters PRAG. Die sieben führenden Industrieländer (G-7) wollen die Erdöl produzierenden Länder zur Ausweitung ihrer Öl-Förderung drängen und damit die hohen Ölpreise drücken. Die Siebenergruppe sprach nach ihrer Konferenz in Prag von "Maßnahmen", um niedrigere Ölpreise durchzusetzen, ohne diese zu konkretisieren. Das Ölpreisniveau erweise sich immer mehr als Wachstumsrisiko für die Weltwirtschaft. Mit Blick auf die jüngsten Zentralbank-Interventionen unterstrichen die G-7-Länder, sie würden die Devisenmärkte weiter genau beobachten und gegebenenfalls wieder gemeinsam und in angemessener Weise reagieren. Finanzexperten werteten das als deutlichen Hinweis auf die Möglichkeit weiterer Interventionen zur Stützung des Euro.

Im vierseitigen Kommuniqué, dass die G-7-Finanzminister und Notenbankchefs am Samstag in Prag veröffentlichten, hieß es zur Ölpreispolitik: "Wir sind besorgt über die negativen Effekte des jüngsten Ölpreisanstieges auf die Weltwirtschaft". Es sei wichtig für die Weltwirtschaft, dass die Ölpreise auf ein Niveau zurückkehrten, dass mit den Erfordernissen einer stabilen Weltwirtschaft im Einklang stehe. Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius sprach eine Preisspanne von 22 bis 28 $ je Barrel (159 Liter) an. Über "Maßnahmen" der Industrieländer, wie man eine Rückkehr auf dieses Niveau erreichen könne, wollte er aber nichts sagen. Der Preis der marktführenden Rohölsorte Brent war vor wenigen Tagen bis auf knapp 35 $ gestiegen, zuletzt aber nach dem angekündigten Verkauf von US-Ölreserven auf rund 32 $ gefallen.

Weltwirtschaft darf nicht geschwächt werden

"Wir vereinbarten, in engem Kontakt zu bleiben und unsere Diskussion mit Öl produzierenden und konsumierenden Ländern fortzuführen", erklärten die G-7-Minister in Prag weiter. Fabius soll, wie Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) ankündigte, Anfang der Woche im Namen der EU an alle Erdöl produzierenden Länder schreiben und die Position der europäischen Industrieländer deutlich machen. Es sei auch im Interesse der Ölländer, die Weltwirtschaft nicht zu schwächen und nicht Substitutionseffekte beim Öl stärker in Gang zu setzen.

Steuersenkungen in den Industrieländern, darin waren sich die G-7-Teilnehmer einig, seien kein Mittel der Reaktion auf den hohen Ölpreis. Das schließe soziale Abfederungsmaßnahmen wegen der hohen Benzinpreise nicht aus, sagte Eichel. Zudem müßten Energie effizienter genutzt und alternative Energien verstärkt entwickelt werden, sagte Eichel, der der G-7-Konferenz vorsaß.

Die ersten Interventionen zu Gunsten des Euro wertete Eichel, wie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisberg und Bundesbank-Chef Ernst Welteke, als Erfolg. "Alles in allem glaube ich, dass die Maßnahme erfolgreich war", sagte beispielsweise Welteke, Eichel sprach von einer "guten Aktion". Von Seiten der Zentralbanken und Finanzminister wurde hervorgehoben, damit sei belegt worden, dass der Hinweis auf die Möglichkeit gemeinsamer Interventionen der Notenbanken "kein leerer Satz ist". Wichtig sei, dass die EZB, die US-Notenbank Fed und die japanische Zentralbank gemeinsam gehandelt hätten, was viele Experten nicht für möglich gehalten hätten.

Duisenberg: "Zusammenarbeit im Devisenbereich"

Über mögliche weitere Interventionen bei neuen Kursverlusten des Euro wollte sich niemand äußern. "Über Wechselkurse sollte nicht so viel geredet und spekuliert werden", sagten Eichel und Welteke. Im Zuge der Stützungskäufe vom vergangenen Freitag hatte der Euro zwischenzeitlich mehr als drei US-Cents auf gut 90 Cents zugelegt, war dann aber wieder fühlbar zurück gefallen.

EZB-Präsident Wim Duisenberg versicherte nach dem G-7- Treffen, die Zusammenarbeit mit den anderen G-7-Staaten im Devisenbereich werde fortgesetzt. Auch die USA hätten eine weitere Kooperation zugesagt. Die Stabilität des Euro werde durch fortgesetzte strukturelle Reformen abgesichert. Nachdem die Kursbewegung am Devisenmarkt zu weit gegangen sei, sei eine ordentliche Umkehr nötig gewesen.

Die Aussichten für das weitere weltwirtschaftliche Wachstum beurteilten die G-7-Staaten insgesamt positiv, die Basis dafür sei breiter geworden. Die Wachstumsbedingungen und die ihr zu Grunde liegenden Fundamentaldaten hätten sich in den letzten Monaten weiter verbessert.

In Fragen der Reform und neuen Aufgabenverteilung von IWF und Weltbank unterstützten die G-7 den IWF Chef Horst Köhler darin, den Fonds vor allem bei der Krisenprävention zu stärken. Es gehe darum, die Aufgabengebiete der Schwesterorganisationen klar voneinander abzugrenzen, ohne dass dies in einen Konkurrenzkampf ausarte. Die G-7 Länder erneuerten ihre Zielsetzung, bis zum Jahresende 2000 bislang zehn der ärmsten Länder dieser Welt in ihre Entschuldungsinitative einzubeziehen. Zu Russland hieß es, das Land sei nach wie vor kein Kandidat für einen Schuldenerlass. Zugleich befürworteten die G-7 Länder den wirtschaftspolitischen Reformkurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

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