Masterplan „e|nrw“
Interview: Networking wird zur Schlüsselfunktion

Prof. Dr. Kurt Monse ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Telekommunikation (FTK) sowie der Landesinitiative media NRW .

Handelsblatt.com:

Eine Akademie ohne Präsident und Gebäude - geht so etwas überhaupt?



Prof. Monse:

Durchaus. Die "European E-Commerce Academy" ist eine Dachmarke für eine Reihe von Aktivitäten und Partnerschaften - und sie ist ein Bestandteil der Landesinitiative "media nrw", die schon seit 1995 erfolgreich arbeitet. Die Academy kooperiert mit internationalen Partnern, die nicht nur für einzelne Events, sondern permanent E-Business-Experten als Partner für die Academy benannt haben. Das ist eine tragfähige Struktur, die auch nicht zwingend ortsgebunden ist.



Handelsblatt.com:

Und was bedeutet "European" im Namen der Akademie, ist die Einrichtung grenzenlos offen?



Prof. Monse:

Als Projekt der Landesinitiative "media nrw" konzentriert sich die Academy natürlich primär auf Know-how-Transfer und Networking zwischen Unternehmen aus NRW und den USA. Letzteren wird durch die Academy der Markteintritt in Europa erleichtert - das ist die erste Begründung für den Namensbestandteil "European". Perspektivisch wollen wir jedoch auch mit anderen europäischen Ländern wie z.B. den Niederlanden zusammenarbeiten und damit noch in eine andere Richtung "europäischer" werden.



Handelsblatt.com:

Wie passen eigentlich "Networking" und "Konkurrenz am Markt" zusammen?



Prof. Monse:

In der Internetwirtschaft kommen Unternehmen ohne Netzwerke nicht weit. Netzwerkpartner sind oft keine Konkurrenten, sondern ergänzen sich in sinnvoller Weise. Jeder spielt seine spezifischen Kernkompetenzen aus und zieht Vorteile aus der gemeinsamen Performance. Aber auch für klassische Konkurrenten kann es vorteilhaft sein, an einem Strang zu ziehen - was man zum Beispiel an den zahlreichen Kooperationen sieht, die im Rahmen branchenbezogener Business-to-Business-Marktplätze entstanden sind. Nur so konnte man diese Portale auf die erforderliche kritische Masse bringen.



Handelsblatt.com:

Soll die Einrichtung auch ein Treffpunkt für Gründer und Kapitalgeber werden?



Prof. Monse:

Ja, und nicht nur das: Wir wollen möglichst viele Akteure der Internetwirtschaft zusammen bringen und bieten deshalb im Anschluss an die sogenannten "Executive Briefings" offene Networking Events an, die im Grunde nur einen Zweck haben: Unternehmen mit potentiellen Partnern bekannt zu machen. Auf die Gesprächsthemen nehmen wir da natürlich keinen Einfluss. Selbstverständlich wird es dabei auch um die Finanzierung von Start-ups gehen - oder um Entwicklungspartnerschaften, Bietergemeinschaften und die Unterstützungsleistungen, die "media nrw" für Unternehmen der Internetwirtschaft anbietet.



Handelsblatt.com:

Wird die Academy auch im Internet geöffnet sein?



Prof. Monse:

Natürlich, das sind wir unserer Zeit und dem Thema schuldig. Die Kommunikation mit den Teilnehmern und Partnern läuft schon heute zum größten Teil auf elektronischem Wege. Wir werden auch keine Seminarunterlagen drucken, sondern über media nrw zum Download anbieten. Die Website der European E-Commerce Academy, auf die Sie sicher anspielen, ist derzeit in Planung. Der Bauzaun fällt im Oktober.



Handelsblatt.com:

Was steht als nächstes auf dem "Masterplan"



Prof. Monse:

Die European E-Commerce Academy war der letzte Punkt im Masterplan "e|nrw" - aber wir sind längst noch nicht am Ziel angekommen. Ich will damit sagen, dass wir die formulierten Ziele nicht in chronologischer Reihenfolge aufgeschrieben haben oder angehen, sondern an allen formulierten Zielstellungen arbeiten. Im Vordergrund stehen derzeit natürlich unter anderem die ersten Schritte der Academy - die wir noch in diesem Jahr mit zwei weiteren Events fortsetzen werden. Die Partner für die nächsten Executive Briefings: GIGA Information Group aus Boston am 19.10 und CISCO am 6.12.



Handelsblatt.com:

Zum Schluss - wer ist denn nun besser gerüstet für die New Economy: Wir in NRW oder Bayern?



Prof. Monse:

Wenn in Bayern die Rede von der New Economy ist, dann geht es in aller Regel um München. Nun ist München zweifellos eine der interessanten Internet-Metropolen Deutschlands, aber eben nicht der ganze Freistaat. In NRW glänzen wir nicht nur mit einer Internet-Boomtown, sondern reden von einem Flächenstaat mit einer Reihe von Zentren der deutschen Medien- und Internetwirtschaft. Zentren wie Düsseldorf, Dortmund, Essen und Köln stehen durch eine hochmoderne flächendeckende Infrastruktur in Verbindung. NRW ist auch im Internet Ballungsraum. Das ist auch auf längere Sicht ein Vorteil für NRW - aber kein Grund für uns, den Wettbwerb der Regionen und Standorte gelassen zu sehen.



Prof. Dr. Kurt Monse ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Telekommunikation (FTK) sowie der Landesinitiative media NRW.



Die Fragen stellte Handelsblatt.com-Redakteuer Roland Julius Endert

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