Match verloren - Vater geworden
Spiel, Satz und Sohn: Papa Pavel glücklich über Stammhalter

Tennisprofi Andrei Pavel ist glücklich über den Stammhalter der Familie und wird die French Open 2002 trotz seiner Viertelfinal-Niederlage mit stolz geschwellter Brust verlassen.

dpa PARIS. Als der 28 Jahre alte Rumäne am Donnerstag um 11.21 Uhr das Match gegen den Spanier Alex Corretja mit 6:7 (5:7), 5:7, 5:7 verloren hatte, sah man ihm die Strapazen der letzten 24 Stunden noch deutlich an. Seine "Flucht im Regen" aus Paris nach Hause zu seiner hoch schwangeren Frau Simone war drehbuchreif. Und hatte ein Happy End: Pavel junior ist gesund und putzmunter - und vielleicht wird er ja wie Papa mal Tennisprofi. "Er hat unglaublich lange Finger", scherzte der selige Verlierer.

Pavel hatte sich Mittwochmittag mit dem Auto auf den Weg zu seiner Frau gemacht. Die beiden hatten 1994 geheiratet und leben seit Jahren zusammen mit Töchterchen Caroline-Elena (2) auf einem Bauernhof im ostwestfälischen Borgholzhausen, ganz in der Nähe des deutschen "Rasen-Mekkas" Halle. Der Sohn kam wie die Erstgeborene in der Klinik des Städtchens Dissen bei Bielefeld zur Welt. Leider hat es der Vater nicht mehr ganz bis zur Geburt geschafft, weil er mit dem Auto für die rund 600 Kilometer über acht Stunden - viel länger als berechnet - brauchte. "Da waren drei Unfälle - das war's."

"Anderthalb Stunden fehlten mir. Beim ersten Anruf auf dem Handy hat meine Frau noch gescherzt und versprochen: Ich versuche es noch ein bisschen aufzuhalten", sagte Pavel schmunzelnd. "Beim zweiten Anruf habe ich kaum ihre Stimme erkannt, weil sie so geweint hat." Tränen der Freude. Eine Stunde später konnte er Frau und Söhnchen endlich in die Arme nehmen. "Jeder Vater weiß, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe." Schon vor Mitternacht musste Pavel wieder aufbrechen; er fuhr bis zur belgischen Grenze, todmüde übergab er das Steuer dann seinem Physiotherapeuten.

Nur ein paar Stunden Schlaf gönnten sich die beiden im Auto. "Kurz nach fünf habe ich dann praktisch die Tore in Roland Garros aufgeschlossen", schilderte Pavel das glückliche Ende seiner "Spritztour" im Regen, der ihm Sohn und Segen brachte. Sicher wird der immer bescheiden auftretende Tennisspieler, der neben Rumänisch und Deutsch auch Englisch und Italienisch fließend spricht, neue Fans und viele Sympathien gewinnen.

Die Aufmerksamkeit gehörte an diesem Donnerstag ohnehin ganz allein dem Rumänen; der Saal bei der Pressekonferenz war brechend voll. Pavel grinste nur: "Als ich gegen Tommy Haas glatt in drei Sätzen gewonnen hatte, waren gerade mal vier Leute hier."

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