Archiv
Matchball gegen Tschechiens «B-Team»

Lissabon (dpa) - Die Ausgangsposition ist ideal - jetzt kann der Vize-Weltmeister die Viertelfinal-Vorlage nur noch selbst verspielen. «Wir haben das Endspiel, von dem wir alle geträumt haben», verkündete Rudi Völler vor dem Vorrunden-Finale gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Tschechen.

Lissabon (dpa) - Die Ausgangsposition ist ideal - jetzt kann der Vize-Weltmeister die Viertelfinal-Vorlage nur noch selbst verspielen. «Wir haben das Endspiel, von dem wir alle geträumt haben», verkündete Rudi Völler vor dem Vorrunden-Finale gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Tschechen.

Dass die bislang noch sieglose deutsche Mannschaft den Matchball für das EM-Minimalziel auslassen und damit von ganz Fußball-Europa ausgelacht werden könnte, war für Völler vor dem Anpfiff im Stadion Jose Avalade kein Thema: «Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir es schaffen werden.»

Mit einem Sieg hätte die DFB-Auswahl das Ticket für das Viertelfinale in Faro - nur 20 Kilometer vom eigenen EM-Quartier entfernt - gegen den Sieger der Gruppe C sicher. Bereits ein Unentschieden und im Extremfall sogar eine Niederlage würde zum Weiterkommen reichen, wenn die Gruppen-Rivalen Lettland und Niederlande mit einem Remis auseinander gehen. Doch darauf will sich das DFB-Team nicht verlassen, wie Kapitän Oliver Kahn betonte: «Da wird es einen Sieger geben», prophezeite der Kapitän.

Hochgradig genervt reagierten der Torhüter, seine Teamkollegen und auch Völler auf die Ankündigung der Tschechen, eine auf bis zu acht Positionen veränderte Mannschaft ohne Asse wie Pavel Nedved und Jan Koller aufbieten zu wollen. «Das Gerede von der B-Elf kann man komplett eintüten», meinte Kahn schroff. Auch Völler wollte die totale Rotation beim Kontrahenten nicht als Beleg für einen Qualitätsverlust werten. «Bei uns wird keiner glauben, dass eine tschechische Mannschaft aufläuft, die nur einen Millimeter weniger laufen wird als die bisherige», sagte der Teamchef: «Die, die jetzt zum Einsatz kommen, werden es ihrem Trainer und ihrem Land zeigen wollen, dass sie die Chance verdient haben.» Allenfalls Europas Fußballer des Jahres Nedved sei «nicht adäquat zu ersetzen».

Allerdings ließen Experten wie Franz Beckenbauer keinen Zweifel daran aufkommen, dass durch die Konstellation die Favoritenstellung eindeutig bei der DFB-Auswahl liegt. «Die, die bisher nicht gespielt haben, haben den Anschluss verpasst. Es ist schon ein Riesenvorteil für uns, dass die Tschechen sich qualifiziert haben», sagte der «Kaiser» ungeachtet seiner Bedenken über das Potenzial der deutschen Elf: «Wir haben die spielerischen Qualitäten nicht, eine Mannschaft auszuspielen.»

Mit welcher Taktik Völler die eigene Sieglosigkeit bei diesem Turnier beenden will, ließ er offen. Höchstwahrscheinlich wird der das letzte Risiko scheuende Teamchef zunächst erneut erst einmal darauf aus sein, kein Gegentor zuzulassen und allenfalls in der Schlussphase zur bedingungslosen Offensive blasen. Denn noch nie hat Deutschland in einem Pflichtspiel unter Völler einen Rückstand in einen Sieg verwandelt. Auch Michael Ballack, der wie gegen die Niederlande wieder mehr Offensiv-Freiräume haben soll, plädierte für die Sicherheitsvariante: «Der Grundstein zum Sieg ist die Defensive. Wir müssen spielen wie immer.»

Personell plant der Teamchef gegenüber dem dürftigen 0:0 gegen Lettland zwei Korrekturen. Jens Nowotny kehrt wieder ins Abwehrzentrum zurück und Bastian Schweinsteiger soll mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit die Ideenlosigkeit im Mittelfeld beenden. Allerdings war am Dienstag noch offen, ob der 19-Jährige seine im Trainings-Zweikampf mit Jens Jeremies erlittene Wadenprellung noch rechtzeitig auskuriert. Die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Dietmar Hamann und Bernd Schneider, dem anstelle von Schweinsteiger die Ersatzbank droht, meldeten sich hingegen wieder einsatzfähig.

«Uns Deutschen ein Bein zu stellen, ist für jedes andere Land ein schönes Gefühl. Wir müssen uns verinnerlichen, dass sie uns etwas wegnehmen wollen», schwor Völler sein Personal darauf ein, sich zu wehren. Über das Horrorszenario eines frühen Scheiterns wie schon bei der EM 2000, als Erich Ribbeck danach entlassen wurde, wird öffentlich beim DFB nicht geredet. Hinter den Kulissen aber wird schon zweigleisig organisiert. Im K.o.-Fall ist eine Live-Pressekonferenz mit Völler und anschließend der Rückflug nach Deutschland vorgesehen. Ob Völler auch dann an seinen fest auf die WM 2006 ausgerichteten beruflichen Planungen festhalten wird, ließ er unbeantwortet. «Ich will nicht ausweichen, aber ich gehe davon aus, dass wir es schaffen werden», antwortete er auf die Frage, ob es ein Szenario geben könnte, dass ihn zum neuen Nachdenken bewegen könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%