Materialien zum Bau von Sprengsätzen gefunden
Chemiker wegen Casablanca-Anschlägen verhaftet

Nach der Durchsuchung des Unterschlupfes der mutmaßlichen Attentäter von Casablanca haben marokkanische Sicherheitskräfte einen Chemiker festgenommen.

Reuters CASABLANCA. In dem Versteck im Stadtviertel Massira seien Materialien zum Bau von Sprengsätzen gefunden worden, berichtete die arabisch-sprachige Tageszeitung "Al Ahdath al Maghribia" am Montag. Auch sei eine Bombe entdeckt worden, wie sie bei den Anschlägen am Wochenende benutzt worden seien. Die Zeitung hat gute Kontakte zu marokkanischen Sicherheitskreisen und berichtete weiter, diese gingen ersten Erkenntnissen zufolge davon aus, dass die Attentäter Anweisungen aus dem Ausland erhalten hätten.

Bei Anschlägen auf fünf Ziele in der Hafenstadt wurden in der Nacht zum Samstag mehr als 40 Menschen getötet, darunter auch Spanier, Franzosen und Italiener. Unter den Toten waren offiziellen Angaben zufolge auch 13 Attentäter, ein 14. sei schwer verletzt festgenommen worden. Von den toten Tätern seien inzwischen sechs identifiziert, berichtete die Tageszeitung Assabah unter Berufung auf den untersuchenden Gerichtsmediziner. Die Männer seien zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Dem marokkanischen Justizminister Mohamed Bouzoubaa zufolge steht eine kleine radikale Gruppe von Marokkanern im Verdacht, die mit der radikal-moslemischen Taliban-Bewegung aus Afghanistan verbunden ist und den El-Kaida-Chef Osama bin Laden unterstützt. Die El Kaida wird unter anderem für die Anschläge am 11. September 2001 in den USA und die Attentate im saudiarabischen Riad in der vergangenen Woche verantwortlich gemacht.

Die marokkanische Gruppe heißt Assirat al Moustaquim (Der rechte Weg) und soll in einem armen Stadtteil von Casablanca versucht haben, das islamische Recht einzuführen. Weil sie ihren strikten Auffassungen zufolge im Februar vergangenen Jahres einen Bewohner des Viertels zu Tode gesteinigt haben, wurden inzwischen mehrere Mitglieder der Gruppe zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Marokko ist ein relativ liberales moslemisches Land. Wie im benachbarten Algerien haben jedoch Gruppen Zulauf, die einen stärkeren Einfluss der Religion auf den Staat fordern. Bei den Parlamentswahlen im September wurden die Islamisten der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) drittstärkste Kraft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%