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Matterhorn am Zürichsee: «Gefälschte» Postkarte ein Hit

Zürich (dpa) - Matterhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau und dazu noch der Zürichsee: Das Konzentrat der Schweiz, per Fotomontage auf einer Postkarte vereint, kommt bei den Touristen in Zürich besser an als grasende Kühe, Bernhardinerhunde und Alpenblumen.

Zürich (dpa) - Matterhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau und dazu noch der Zürichsee: Das Konzentrat der Schweiz, per Fotomontage auf einer Postkarte vereint, kommt bei den Touristen in Zürich besser an als grasende Kühe, Bernhardinerhunde und Alpenblumen.

Rund 20 000 der «gefälschten» Ansichtskarten gehen jährlich über die Ladentheke. Damit sei die Montage eines der bestverkauften Postkartenmotive in der ganzen Schweiz, berichtet Gion Schneller, der Direktor der Photoglob AG in Zürich, wo die Karte seit mehr als zehn Jahren hergestellt wird. «Obwohl sie nur in Zürich verkauft wird, ist sie unter den Top-Ten der ganzen Schweiz.

Die Idee zu der Montage entstand, weil von Zürich aus bei klarem Wetter durchaus die Alpen zu sehen sind. Allerdings seien das Matterhorn und das Berner Oberland mit seinen schneebedeckten Gipfeln bekannter als die Glaner oder Schwyzer Berge, erläutert Schneller. Somit habe man sich entschlossen, es einmal mit einer Montage zu versuchen. «Man schmückt sich mit fremden Federn», räumt Schneller ein. Zwar greifen vor allem Kurzurlauber seltener zur Postkarte, sondern schicken lieber schnelle elektronische Grüße per SMS und E-mail. Die Montage hat sich aber gegen den Trend behauptet.

Photoglob-Fotograf Peter Jehle sieht den Erfolg der Karte im Wunsch der Menschen nach Idylle. «Die Leute wollen nicht immer nur die blanke Wirklichkeit sehen.» Genau genommen gebe fast keine Postkarte die Wirklichkeit wider, schließlich wolle niemand eine Urlaubskarte mit grauem Himmel. Bei den Farben und Kontrasten werde in den meisten Fällen nachgeholfen, störende Details würden wegretouchiert. «Da wird am Himmel manipuliert, oder der Kontrast bei den Wolken verstärkt - kein Mensch will die triste Realität aus den Ferien schicken.»

Eiger, Mönch und Jungfrau sind auf der Karte im Vergleich zum Matterhorn zwar etwas klein geraten. «Aber das stört niemanden», meint Jehle. «Es war eine Frage des Platzes, das überhaupt hinzukriegen.»

Nach den Erfolgen der Zürcher Postkarte kopierten die Hersteller die unechte Bergkette auch noch vor die Silhouetten Basels und Berns. Im Fall Bern hat die Postkarte noch insoweit Wahrheitsgehalt, als Eiger, Mönch und Jungfrau zum Berner Oberland gehören. «Bei Basel stimmt dann gar nichts mehr - da haben wir ja nur den Jura», räumt Jehle ein.

Trotzdem ist der Erfolg auch in der nordschweizerischen Stadt gut. «Die Karte ist witzig und läuft sehr gut», sagt Melanie Ramsauer von der Tourismusinformation Basel. «Die meisten Kunden erkennen, dass das ein Gag ist.» Es gebe allerdings immer einmal Besucher, die enttäuscht reagierten, wenn sie über die Montage aufgeklärt würden. «Manche legen die Karte dann zurück.» Die einzige Befürchtung der Tourismus-Mitarbeiterin: «Dass die Leute wirklich glauben, dass das Matterhorn bei Basel steht.» Ein japanischer Tourist habe einmal nach dem Fußweg zum Matterhorn gefragt. «Die Japaner denken, die Schweiz ist klein - ich habe ihm gesagt, dass er da eine Woche laufen muss.»

Dass sich zudem gerade das Matterhorn gut verkauft, hat auch der Genfer Postkartenverkäufer Christain Bertrand festgestellt. «Die Touristen kennen das Matterhorn, und dann noch den Mont Blanc - und das wird dann auch gekauft.» Dennoch gibt es für Genf keine Matterhornkarte: schließlich sieht man von dort aus den Mont Blanc - und zwar ohne Montage.

Beschwerden habe es noch nie gegeben, heißt es bei Photoglob. Auf der Karte sei vermerkt, dass es eine Montage sei, sagt Schneller. «Montagen gibt es, seit es die Fotografie gibt. Solche Sachen macht man auf der ganzen Welt.» Ärgerlich für die Fotografen, die auf die Jagd nach echten Motiven tagelang auf das rechte Licht warten: den Touristen ist ganz offensichtlich die Wahrheit nicht so wichtig.

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