Archiv
Matthäus enttäuscht über Absagenflut

Bad Dürkheim (dpa) - Beim Blick auf seine Notelf für das Jubiläums-Länderspiel gegen Deutschland konnte sich Ungarns Nationalcoach Lothar Matthäus ein sarkastisches Lächeln nicht verkneifen.

Bad Dürkheim (dpa) - Beim Blick auf seine Notelf für das Jubiläums-Länderspiel gegen Deutschland konnte sich Ungarns Nationalcoach Lothar Matthäus ein sarkastisches Lächeln nicht verkneifen.

Die Absagenflut ausgerechnet bei seiner Rückkehr in die Heimat hat dem deutschen Rekordnationalspieler in Diensten der Magyaren sichtlich die Laune verdorben. «Für einen Trainer ist es nicht sehr angenehm, wenn 22 Spieler nicht zur Verfügung stehen. Für mich ist jede Absage eine Enttäuschung», sagte Matthäus in Bad Dürkheim und richtete deutliche Kritik an die ungarischen Clubs: «Die Vereine müssten stolz darauf sein, ihre Spieler für die Auswahl abzustellen. Das ist nicht immer der Fall.»

Wer gegen den Vize-Weltmeister das Vertrauen erhält, konnte Matthäus angesichts der dürftigen Auswahl an erfahrenen Profis nicht sagen. Im 19-köpfigen Kader stehen lediglich drei Spieler, die zehn oder mehr Länderspiele absolviert haben. Immerhin kenne er alle Spieler persönlich. Seinen Frust darüber, von den Clubs im Stich gelassen worden zu sein, konnte dies jedoch nicht schmälern. «Die Kooperation zwischen den Vereinen und dem Verband muss verbessert werden. Diese vermisse ich seit meinem Amtsantritt», sagte Matthäus, der Ungarns Elf in Kaiserslautern zum achten und vielleicht letzten Mal betreut.

Zu seinen Wechselambitionen zum türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul wollte sich Matthäus allerdings nicht äußern. «Ich will mich ganz auf das Spiel gegen Deutschland konzentrieren», wies er alle Anfragen zu seiner Zukunft zurück. Doch die lukrative Offerte aus der Metropole am Bosporus und die offensichtlichen Probleme in Ungarn könnten dem Weltmeister, der Kontakte mit Besiktas schon bestätigt hatte, den Abschied leicht machen.

So scheint fraglich, ob Matthäus gegen Deutschland noch mit heißem Herzen dabei sein wird, wie er dies von seinen Spielern forderte. Dem Aufeinandertreffen mit seinem einstigen Auswahl-Kollegen Rudi Völler misst der ehemalige DFB-Kapitän ohnehin keine besondere emotionale Bedeutung zu. «Natürlich habe ich nie daran gedacht, einmal gegen Deutschland zu spielen. Aber Fußball ist ein Tagesgeschäft», sagte Matthäus, der 150 Mal das Trikot mit dem Adler auf der Brust trug.

Der 43-Jährige sieht die Partie im Fritz-Walter-Stadion eher pragmatisch. «Für uns ist es wichtig, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Noch wichtiger ist allerdings, dass wir uns im Hinblick auf die WM- Qualifikation 2006 weiterentwickeln, damit Ungarn mal wieder bei einem großen Turnier dabei ist», sagte Matthäus. Ob mit oder ohne ihn, bleibt offen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%