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Matthias Möhring-Hesse: Die demokratische Ordnung der Verteilung

Tipps aus der Handelsblatt-Redaktion.

Matthias Möhring-Hesse


Die demokratische Ordnung der Verteilung
Campus Verlag, Frankfurt 2004, 305 Seiten, 29,90 Euro.

In Debatten zur Zukunft des Sozialstaats beklagen alle Beteiligten das fehlende Gesamtkonzept - eine grundlegende Idee der Gerechtigkeit. Der Theologe und Soziologe Matthias Möhring-Hesse von der Uni Münster formuliert eine solche. Zumindest hat er es sich mit Unterstützung der SPD-nahen Hans-Böckler-Stiftung und des gewerkschaftlichen Nell-Breuning-Instituts vorgenommen. Doch sein Buch gerät ihm vor allem zur Fundamentalkritik an der liberalen Gerechtigkeitsphilosophie von Rawls und Hayek. Möhring-Hesse geht davon aus, dass sich Gerechtigkeit nicht aus ökonomischer Rationalität, sondern aus den Wünschen der Menschen nach Teilhabe ableitet. Auf solchem Fundament setzt er natürlich auf staatliche Eingriffe und massive Umverteilung - und liefert SPD-Linken intellektuelle Munition. David Selbach

Walter Laqueur
Jerusalem - Jüdischer Traum und israelische Wirklichkeit
Propyläen, Berlin 2004, 399 Seiten, 24 Euro

"Yerushalayim shel Zahav - Jerusalem aus Gold", so lautet der Titel eines populären Liedes, das die Schönheit Jerusalems preist. Doch dass nicht alles Gold ist, was glänzt, beweist das Buch Walter Laqueurs. Der Historiker und Terrorismusexperte zeigt, was Jerusalem in Wirklichkeit ist: Die größte und zugleich ärmste Stadt Israels, die in Sachen Kultur allenfalls noch die zweite Geige spielt. Am Beispiel jüdischer und arabischer Familienclans und ihrer Geschichte erklärt er nicht nur das komplexe gesellschaftliche Gefüge der Stadt, sondern vermittelt auch Einsichten in die politischen Verhältnisse des gesamten Landes. Auf erfrischend undogmatische Weise zeigt er, wo genau die ethnischen, religiösen und sozialen Gräben innerhalb der Gesellschaft verlaufen. Klischees bedient er nicht. Sein Fazit: "Es gibt ein mythisches Zion und die Realität Jerusalem, und außer während eines oder zweier Jahrzehnte war diese Realität immer recht ordinär." Ralf Balke

José Saramago
Der Doppelgänger
Rowohlt, Reinbek 2004, 383 Seiten, 22,90 Euro

José Saramago versuche in Gleichnissen, eine fliehende Wirklichkeit sichtbar zu machen, hieß es in der Begründung des Nobelpreiskomitees, als es den Portugiesen 1998 auszeichnete. Nach der Lektüre des neuen Romans "Der Doppelgänger" (2002 im Original erschienen) könnte man meinen, die Stockholmer Akademie besäße prophetische Gaben. Der Protagonist Afonso, ein Geschichtslehrer in mittleren Jahren, führt ein eher langweiliges Leben. Ein Zufall führt zur Zäsur - in einem Videofilm erblickt er in der Nebenrolle sein zweites Ich, einen Mann, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Vorbei ist es mit der Ruhe und Langeweile in Afonsos Leben. "Der Doppelgänger" liest sich, als hätten Alfred Hitchcock und Sigmund Freud Hand in Hand geschrieben. Peter Mohr

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