Mauern eingerissen
Bulldozer gegen palästinensischen Amtssitz

Bulldozer der israelischen Armee haben am Freitagmorgen damit begonnen, Mauern an dem seit vier Tagen belagerten palästinensischen Hauptquartier in Hebron niederzureißen.

WiWo/ap JERUSALEM. Wie Augenzeugen berichteten, wurde das festungsartige Gebäude außerdem von Panzern beschossen. In dem Gebäude hält sich unter anderen eine Gruppe von 15 palästinensischen Kämpfern auf, die von Israel wegen terroristischer Umtriebe gesucht werden. Die Israelis verlangen deren Kapitulation und drohen mit einer Erstürmung des Gebäudes. In einer Gefechtspause betrat der palästinensische Exminister Talal Sidr das Gebäude, um ein Ende der Belagerung und die Übergabe auszuhandeln. Bei seiner Rückkehr erklärte Sidr, er habe in dem Gebäude niemand angetroffen. Er wolle aber nicht ausschließen, dass sich in Teilen des schwerbeschädigten Hauses, die er nicht habe überprüfen können, noch Menschen befänden, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Sidr, der aus Hebron stammt, betrat das Gebäude nach eigenen Worten mit Erlaubnis der Israelis. In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung verurteilt die palästinensische Führung die israelische Invasion in die Autonomiegebiete des Westjordanlandes. Dies sei ein Versuch, sämtliche Friedensbemühungen zu unterlaufen. In der von der amtlichen Nachrichtenagentur WAFA verbreiteten Stellungnahme wurden die beim G-8-Gipfel in Kanada versammelten Staatsmänner aufgerufen, Beobachter ins Krisengebiet zu entsenden, die dort für eine Waffenruhe sorgen sollen.

Auf dem Gipfel im kanadischen Kananaskis hatte US-Präsident George W. Bush in den letzten Tagen für seine Haltung geworben, wonach ein Friede in Nahost nur mit einer neuen palästinensischen Führung zu erreichen sei. Am Donnerstag schwenkte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder auf diese von den meisten Europäern kritisierte und abgelehnte Position ein. In der Frage, ob der palästinensische Präsident Jassir Arafat sich wirklich um eine Eindämmung des Terrorismus bemüht habe, seien Zweifel berechtigt, sagte Schröder zum Abschluss des G-8-Gipfels.

Bush sorgte indessen auf palästinensischer Seite für weiteren Unmut, weil er die Anwendung militärischer Gewalt gegen die Palästinenser nicht ausschließen wollte. Auf die Frage von Reportern, ob die Doktrin, die die Anwendung von Gewalt gegen Staaten, die den Terrorismus unterstützten, auch auf Palästina zuträfe, sagte Bush, er schließe militärische Aktionen nie aus. Doch sei das Werkzeug, dass er jetzt benutze, diplomatischer Druck. Darauf erklärte der Sicherheitschef des Westjordanlandes, Dschibril Radschub, es sei gefährlich, Arafat mit einer afghanischen Führung zu vergleichen, die mit Osama Bin Laden gemeinsame Sache gemacht habe. Die palästinensische Verwaltung sei nicht das Taliban-Regime. Verärgert äußerten sich die Palästinenser auch über Hinweise, wonach US-Außenminister Colin Powell bei seiner nächsten Nahot-Reise nicht mit Arafat zusammentreffen werde. Unterdessen nahmen Soldaten und Grenzpolizisten in mehreren Orten des Westjordanlandes sechs verdächtige Palästinenser fest. Am Donnerstag eröffneten israelische Soldaten das Feuer auf eine Gruppe von Menschen, wobei drei Schüler verletzt wurden, darunter ein Neunjähriger schwer. Die israelischen Streitkräfte mussten einräumen, dass die Soldaten nicht adäquat gehandelt hätten.

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