Maul- und Klauenseuche
Seuchengefahr durch Atomtransport wird geprüft

Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Frankreich steht der für Ende März geplante Atommülltransport aus dem französischen La Hague nach Gorleben zur Diskussion.

Reuters BERLIN. Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Grünen) plädierte am Donnerstag für eine Verschiebung des Transports. Der Krisenstab des Bundesagrarministeriums in Bonn prüft seit Donnerstag, ob von dem Transport eine Gefahr der Seuchenübertragung ausgehen könnte. In Thüringen sperrten die Behörden einen Betrieb mit 6 000 Schweinen, nachdem verdächtigte Krankheitssymptome gemeldet worden waren. Entgegen ersten Meldungen sah das Agrarministerium am Nachmittag aber keinen Verdacht auf MKS. Großbritannien weitete die Tötung von Tieren aus.

"Mein Vorschlag wäre, dass man darüber nachdenken muss, den Transport zu verschieben", sagte Höhn dem Fernsehsender n-tv. Der Zug mit deutschem Atommüll aus La Hague käme "genau aus der Region, in der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist". La Hague liegt im Nordosten Frankreichs, rund 150 Kilometer vom betroffenen Departement Mayenne entfernt. Von dort sollen erstmals seit vier Jahren wieder Castor-Behälter ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben gebracht werden. In Mayenne war am Dienstag die Seuche seit ihrem Ausbruch in England erstmals auf dem europäischen Festland bestätigt worden.

Castor-Behälter desinfizieren

Bernd Ollenschläger vom Tierseuchen-Krisenstab in Bonn erläuterte, auf Bitten des Bundesumweltministeriums werde jetzt geklärt, wo der Transport genau langfahren werde. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Genehmigungsbehörde hat nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, den Transport zu stoppen. Mögliche Seuchengefahren seien Sache der Agrarbehörden, die sich dann mit dem Transporteur Nuclear Cargo+Service in Verbindung setzen müssten, sagte BfS-Präsident Wolfram König. Niedersachsens Agrarminister Uwe Bartels (SPD) sagte im Landtag, sein Land gehe davon aus, dass der Zug mit sechs Castor-Behältern vor der Grenze nach Deutschland desinfiziert werde. Das sei voraussichtlich ausreichend.

Bei den Grenzkontrollen von und nach Frankreich in Baden-Württemberg kam es am Donnerstag zu erheblichen Staus. Bei der Überprüfung der Bundesländern von Tierimporten aus Frankreich in den vergangenen Wochen ermittelten die Behörden nur vereinzelt betroffene Betriebe. In mehreren Supermärkten wurde Frischfleisch aus Frankreich beschlagnahmt.

Entwarnung in Thüringen

Im thüringischen Weimarer Kreis gab es für einen Betrieb mit 6000 Tieren am Nachmittag eine vorsichtige Entwarnung. "Es ist kein offizieller Verdachtsfall", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Erfurt. Bei mehreren Schweinen des Betriebes in Niederzimmern seien eine Lungenentzündigung und zum Teil Blasen im Mund und Entzündungen an den Hufen festgestellt worden. Es sah "allerdings nicht so aus, wie es bei Maul- und Klauenseuche zu erwarten gewesen wäre", sagte der Sprecher. Um welche Erkrankung es sich handeln könnte, sei offen. Testergebnisse der Bundesforschungsanstalt in Tübingen sollen frühestens bis Freitagnachmittag vorliegen. Bis dahin bleibe der Betrieb gesperrt. Einen Kontakt der Herde mit französischen oder britischen Tieren habe es nicht gegeben. Bundesweit hatten sich zuvor fünf Verdachtsfälle nicht bestätigt.

Der Bauernverband und die rheinland-pfälzische Umweltministerin Klaudia Martini (SPD) forderten unterdessen, die EU-weit verbotene Pflichtimpfung gegen die Seuche wieder zuzulassen. Die Europäische Union (EU) hatte 1991 auf Grund von Importverboten für geimpftes Fleisch unter anderem in den USA verfügt, dass Tiere erst bei Ausbruch der Seuche in der unmittelbar betroffenen Region geimpft werden können. Die Impfung habe keine Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher, teilte Sonnleitner mit. Das Bundesagrarministerium wies die Länder dagegen in einem Schreiben darauf hin, bei Impfungen müsse mit Handelsrestriktionen gerechnet werden. Daher stehe sie Impfungen sehr reserviert gegenüber, sagte Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) in Berlin. "Die Impfung kann Sinn machen, um die Weiterverbreitung zu verhindern", sagte sie.

Die britische Regierung weitete nach Angaben von Agrarminister Nick Brown die Schlachtung und Vernichtung von Tieren in den von der Maul- und Klauenseuche gefährdeten Regionen auf alle Bestände in Sperrbezirken aus. Erstmals sollen auch gesunde Tiere auf Verdacht getötet werden. Die Zahl der von der Seuche erfassten Betriebe erhöhte sich um drei auf 233. Die britische Regierung lehnte es ab, wegen der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche die für Anfang Mai geplanten Kommunalwahlen zu verschieben.

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