Max: "Ein Witz"
Völlers Streichliste sorgt für Verschwörungstheorie

Die Streichliste von DFB-Teamchef Rudi Völler hat bei den Betroffenen für Verbitterung und noch mehr Frust gesorgt.

sid MÜNCHEN. Bremens Keeper Frank Rost stellte nach seiner Nichtberücksichtigung für den 23-köpfigen deutschen WM-Kader, den Völler am Montag berufen hatte, sogar eine Art Verschwörungstheorie auf. Doch trotz aller Enttäuschung: Rost und Co. stehen einmütig auf Abruf für die Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan (31. Mai bis 30. Juni) bereit. Bis zum endgültigen Meldeschluss am 21. Mai dürfen sie noch auf eine kurzfristige Nominierung hoffen.

An der aktuellen Gemütslage der "Härtefälle", wie sie Völler bezeichnete, änderte dies jedoch wenig. "Es zählt nicht nur die Leistung. Die Politik wird eben nicht bei Werder gemacht, sondern bei anderen Vereinen. Für mich ist das unverständlich", erklärte Rost und fügte an: "Ich werde auch diese Enttäuschung wegstecken. Als Sportsmann bin ich es gewohnt, mit unfairen Dingen umzugehen."

Auch beim besten deutschen Torjäger der Saison hielt sich die Begeisterung in Grenzen. "Das gibt's doch in keinem anderen Land der Welt. Da wirst du in drei Jahren zweimal Torschützenkönig und erlebst die WM nur vor dem Fernseher. Das ist ein Witz. Ich kann die Argumente nicht verstehen", urteilte der Angreifer von 1860 München, für den "Null-Tore-Stürmer" Carsten Jancker zur WM fährt.

Auch "Löwen"-Trainer Peter Pacult konnte Völlers Entscheidung nicht nachvollziehen: "Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Das ist nicht nur für den Martin, sondern für den ganzen Verein eine Niederlage." Dennoch stellte Max, der bereits vor der EM 2000 als Torschützenkönig durch das Sieb gefallen war, klar: "Ich stehe bereit, wenn mich der Teamchef doch noch ruft."

Auf Abruf wurden neben Max und Rost noch Stefan Beinlich (Hertha BSC), Thomas Brdaric (Bayer Leverkusen), Ingo Hertzsch (Hamburger SV), Jörg Böhme (Schalke 04), Lars Ricken (Borussia Dortmund) und Frank Baumann (Werder Bremen) berufen. Den Bremer Abwehrspieler traf die Absage von Völler besonders hart: "Die Enttäuschung ist riesengroß. Ich war zwei Jahre bei jedem Länderspiel im Aufgebot und nun fliege ich zum Höhepunkt raus."

Der Schalker Jörg Böhme war ähnlich fassunglos. "Ich war ein Jahr ständig dabei, habe auch ganz ordentlich gekickt. Aber nach Meinung von Rudi Völler sind andere besser", sagte der 28-Jährige und beteuerte, er selbst könne auf der linken Seite keinen Spieler sehen, der eine ähnlich gute Statistik vorweisen könne wie er.

Auch dem Dortmunder Ricken war zwei Tage nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft die Freude vergangen. Ricken betonte jedoch: "Ich habe 2006 noch eine WM-Chance. Das haut mich nicht um. Ich habe genug Klasse, um das wegzustecken."

Konzentration auf das Wesentliche

Davon war Völler ohnehin bei allen ausgegangen. Er hätte nach den Telefonaten mit den Streichkandidaten nicht den Eindruck gehabt, dass es für die Zukunft irgendwelche Probleme gebe. Auch Rost versuchte er, zu besänftigen. "Ich weiß, dass der Frank eine Verschwörungstheorie im Hinterkopf hat. Aber das ist völliger Blödsinn. Ich habe Frank dies auch so erklärt. Aber es haben eben Kleinigkeiten entschieden", verdeutlichtete der Teamchef.

Völler war ab Dienstag indes bemüht, die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken. Am Abend trafen sich der DFB-Trainerstab und die Nationalspieler im Elztal-Hotel Schwarzbauernhof in Winden bei Freiburg zum Auftakt der WM-Vorbereitung. Zumindest ein Teil der 23 WM-Fahrer konnte anreisen, da die Akteure von Borussia Dortmund (Uefa-Cup-Finale), Schalke 04 (DFB-Pokalfinale) und Bayer Leverkusen (DFB-Pokal - und Champions-League-Endspiel) noch Verpflichtungen mit ihren Klubs haben.

Deshalb bietet das Länderspiel am Donnerstag (20.30 Uhr/live im ZDF) in Freiburg gegen Kuwait Völler eine willkommene Gelegenheit, seinen zuletzt angeschlagenen Akteuren wie Sebastian Deisler, Marko Rehmer oder Christian Ziege Spielpraxis zu geben. Entsprechend unterstrich der 42-Jährige auch die Bedeutung der Begegnung: "Das Spiel ist sehr wichtig. Da wird man sehen, wie weit einige schon wieder sind."

So ganz nebenbei hat der Teamchef auch die Möglichkeit, einige deutsche Talente zu sichten. So hat er neben 13 WM-Fahrern sieben "Aushilfen" aus der letztjährigen `U21" für den WM-Test berufen. Dies sei auch ein Wink in Richtung EM 2004 und WM 2006, meinte Völler.

So weit will der Daniel Bierofka von 1860 München noch gar nicht denken. "Das ist eine Riesensache. Egal ob ich mit den Stars nur mittrainieren darf - oder ein paar Minuten reinschnuppern. Das ist ein Jugendtraum für mich", erklärte der künftige Leverkusener stellvertretend für seine jungen Kollegen erfreut. Auch Torwart Timo Hildebrand vom VfB Stuttgart freute sich auf den "Schnupperkurs" - vor allem aber auf DFB-Kapitän Oliver Kahn: "Ich wollte schon immer einmal wissen, wie der Oliver trainiert. Aber überhaupt ist es mal interessant, Oliver Kahn näher kennen zu lernen."

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