Maximilian Schunke, 35, ist Markenrechtler in Hannover*
Wie fühlt man sich eigentlich ... Herr Schunke

..., wenn man auf der Cebit mit einem Einkaufswagen voller Akten herumschiebt, um Markenpiraten zu erlegen?

Wenn ich starte, bin ich zuerst besorgt. Ob es wirklich klappt, die Markenpiraten auch auf der Cebit noch dingfest zu machen. Es könnte ja sein, dass ich in der kurzen Zeit die gesuchten Plagiate nicht entdecke oder in der Messehektik die erforderlichen Beweise nicht beschaffen kann. Ich laufe zusammen mit den Firmenjuristen meines Mandanten - einem Telekommunikationsunternehmen - und seinen Technikern in einem Tross von 10 bis12 Leuten durch die Hallen. Ich achte darauf, dass ich mittendrin gehe. Denn etliche Hersteller mussten schon Bekanntschaft mit mir machen - gerade die Italiener zum Beispiel - und die wissen schon, wer ich bin.

Wir suchen auf den Ständen die Plagiate, um Marken und Designverletzungen aufzuspüren. An Ort und Stelle verfasse ich dann ein Abmahnschreiben mit Unterlassungserklärung mit meinem Laptop und einem Drucker und überreiche es den Firmenvertretern auf dem Messestand. Manche unterschreiben sofort und zahlen meine Gebühren gleich cash, damit ich nicht in den nächsten Stunden noch eine einstweilige Verfügung vor Gericht beantrage. Die wird nämlich vom Richter eben wegen der Messe und der besonderen Eilbedürftigkeit in drei bis vier Stunden erteilt. Er entscheidet auch ohne mündliche Verhandlung und ohne Anwesenheit der Plagiatehersteller. Wenn es sich um Firmen außerhalb Europas handelt, erlässt der Richter sofort einen Arrest wegen der Kosten. Dann gehe ich zusammen mit dem Gerichtsvollzieher und einem Spediteur mit Umzugskartons wieder zurück zum Messestand zu den Tätern und die müssen dann schon mal so um die 3 000 Euro zahlen - allein für Gerichts- und Anwaltskosten.

Die Leute haben das Geld übrigens fast immer in bar mit. Manche zücken erst dann die Geldscheine, wenn der Spediteur schon den halben Messestand eingepackt hat. Das Ganze passiert, damit mein Mandant nicht am Ende auf den Kosten sitzen bleibt. Wer mich vorher am Stand frech angegrinst hat, grinst dann nicht mehr.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann

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* Maximilian Schunke ist Partner der Anwaltssozietät Göhmann Wrede Haas Kappus & Hartmann in Hannover. Als Marken- und Designrechtsspezialist nutzt er die Cebit mit ihren vielen Ausstellern aus aller Herren Länder, um Plagiatoren im Auftrag seiner Mandanten das Handwerk zu legen.

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